{"id":157,"date":"2016-10-19T09:44:39","date_gmt":"2016-10-19T07:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/?p=157"},"modified":"2023-02-23T22:10:49","modified_gmt":"2023-02-23T21:10:49","slug":"ideologie-flausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/2016\/10\/19\/ideologie-flausen\/","title":{"rendered":"Ideologie-Flausen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Autor: <strong>Peter Andreas Sch\u00f6bel<\/strong><br \/>\nQuelle:\u00a0S\u00e4chsischer Freidenker 52\/2015<\/span><\/p>\n<p>\u201eDie ideologische Arbeit ist \u2026 das Herzst\u00fcck der Parteiarbeit.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u201c \u2013 Welches Mitglied der SED kannte diesen Satz nicht? In anderen Ausdrucksweisen und mit weitaus weniger theoretischen Anspr\u00fcchen l\u00e4uft einem dieser Satz auch heute noch alle Nase lang \u00fcber den Weg. Da jammern Parteien aller Couleur nach Wahlverlusten, dass es ihnen \u2013 mal wieder \u2013 nicht gelungen ist, ihre Ideen dem gemeinen W\u00e4hler &#8218;r\u00fcber zu bringen. Da hoffen \u201eVision\u00e4re\u201c wie Blessing<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und Dunkhase<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> beim Entwurf scheinbar tr\u00f6stlicher \u201eZukunftsvorschl\u00e4ge<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u201c den gemeinen St\u00e4dteb\u00fcrger f\u00fcr sich zu gewinnen. Da sollen \u201ekonkrete Utopien<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>\u201c verbreitet werden (Seppmann). Usw. usf. \u2026 <!--more-->Die Wahlprogramm-R\u00fcberbringer erhoffen sich von ihrer ideologischen Arbeit W\u00e4hlerstimmen und Mandate. Soviel ist schon klar. Die Linke erhofft sich dar\u00fcber hinaus, dass sie auf Grund von Mehrheiten die vielen guten Absichten, die sie hat, endlich mal in Gesetzesform gie\u00dfen kann. Und dann wird alles gleich ganz anders und wunderbar knuffig.<\/p>\n<p>Die \u201eVision\u00e4re\u201c erhoffen sich sicher, dass das gemeine B\u00fcrgerlein im n\u00e4chsten Spielzeugladen sich ein Waffenarsenal besorgt und dann gewaltfrei, aber mit einem Wutgeheul, das an Sioux-Indianer erinnert, den Reichstag st\u00fcrmt, die Bande davonjagt und dann die Visionen \u2013 strikt nach Bauplan \u2013 umsetzt. Und sicher f\u00e4llt dann f\u00fcr den Vision\u00e4r der Posten des unfehlbaren Obertheoretikers ab \u2013 und vor allem: viel Applaus.<\/p>\n<p>Da hat die SED aber kleinere Br\u00f6tchen gebacken. Sie wollte, dass sich alle jenes Wissen aneignen, das man braucht, um die Gesellschaft bewusst und aktiv mitzugestalten. Das \u201eMitgestalten\u201c meinte: \u201eMachen was gesagt wird\u201c und dass die SED dabei ebenso einen Unfehlbarkeitsanspruch anmeldete, versteht sich von selbst. \u00dcbrigens verneinen einige Zeitgenossen heute die Notwendigkeit einer Partei deshalb, weil es ja keinen unfehlbaren geistigen F\u00fchrer geben k\u00f6nne. Am\u00fcsant!<\/p>\n<p>Es wird also Zeit, mit den b\u00fcrgerlichen Verdrehungen des Wesens von Ideologie, ihrem Platz und ihrer Rolle aufzur\u00e4umen. Und b\u00fcrgerlich, ja oft sogar klein- und spie\u00dfb\u00fcrgerlich ist das schon, was da beginnend mit St. Stalin im europ\u00e4ischen Raum in den kommunistischen Parteien getrieben wurde.<\/p>\n<h2><em>Was also ist Ideologie?<\/em><\/h2>\n<p>Fragen wir dazu neumodisch bei Wikipedia nach, so erfahren wir: \u201eIdeologie (griechisch \u1f30\u03b4\u03b5\u03bf\u03bb\u03bf\u03b3\u03af\u03b1 \u2013 Lehre von der Idee bzw. Vorstellung: von griechisch \u1f30\u03b4\u03ad\u03b1 (idea, \u201aErscheinung\u2018) und \u03bb\u03cc\u03b3\u03bf\u03c2 (logos, \u201aLehre\u2018)) steht im weiteren Sinne bildungssprachlich f\u00fcr Weltanschauung. Im engeren Sinne wird damit zum einen auf Karl Marx zur\u00fcckgehend das \u201afalsche Bewusstsein\u2018 einer Gesellschaft bezeichnet, zum anderen wird in der amerikanischen Wissenssoziologie jedes System von Normen als Ideologie bezeichnet, das Gruppen zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>\u201c Was weiter zu Marx dort steht vergessen wir mal lieber schnell. Es ist die bourgeoise-sozialistische Marxinterpretation.<\/p>\n<p>Im Fremdw\u00f6rterbuch des Dudenverlages finden wir: \u201eIdeo|logie [gr.-fr.: \u201aLehre von den Ideen\u2018] die,; -, \u2026ein: a) an eine soziale Gruppe, eine Kultur o. \u00e4. gebundenes System von Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen; b) weltanschauliche Konzeption, in der Ideen der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele dienen; \u2026\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Schlagen wir nun noch altehrw\u00fcrdig im \u201eKleinen politischen W\u00f6rterbuch\u201c des Dietz-Verlages aus der DDR-Zeit nach, so steht dort: \u201eIdeologie: System der gesellschaftlichen (\u00f6konomischen, philosophischen, k\u00fcnstlerischen, religi\u00f6sen usw.) Ideen, die durch die materiellen Verh\u00e4ltnisse der Gesellschaft, insbesondere die Produktionsverh\u00e4ltnisse, bedingte Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und darauf gerichtet sind, das Denken, F\u00fchlen und Handeln der Menschen zu beeinflussen, und in entsprechenden Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen ihren Ausdruck finden.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Und da f\u00e4llt uns noch der marxsche Satz vom falschen Bewusstsein ein sowie folgende interessante Darstellung von Engels: \u201eDie Ideologie ist ein Proze\u00df, der zwar mit Bewu\u00dftsein vom sogenannten Denker vollzogen wird, aber mit einem falschen Bewu\u00dftsein. Die eigentlichen Triebkr\u00e4fte, die ihn bewegen, bleiben ihm unbekannt; sonst w\u00e4re es eben kein ideologischer Proze\u00df. Er imaginiert sich also falsche resp. scheinbare Triebkr\u00e4fte. Weil es ein Denkproze\u00df ist, leitet er seinen Inhalt wie seine Form aus dem reinen Denken ab, entweder seinem eignen oder dem seiner Vorg\u00e4nger. Er arbeitet mit blo\u00dfem Gedankenmaterial, das er unbesehen als durchs Denken erzeugt hinnimmt und sonst nicht weiter auf einen entfernteren, vom Denken unabh\u00e4ngigen Ursprung untersucht, und zwar ist ihm dies selbstverst\u00e4ndlich, da ihm alles Handeln, weil durchs Denken vermittelt, auch in letzter Instanz im Denken begr\u00fcndet erscheint.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Welche Rolle spielt also Ideologie? Wenn wir Marx folgen wollen, so ist sie der verallgemeinernde mehr oder minder systematische Reflex des gesellschaftlichen Bewusstseins auf die Lebensumst\u00e4nde. In Form von Ideen, Anspr\u00fcchen, W\u00fcnschen, Einstellungen, Wertungen, Vorstellungen etc. verallgemeinert der Mensch, was ihm direkt in der Gesellschaft wiederf\u00e4hrt oder was ihm von anderen mitgeteilt wird. Und er tut das, weil er sein Handeln besser, d.\u00a0h. nicht nur instinkthaft steuern will. Es hat sich in der Evolution von Vorteil erweisen und es erweist sich tagt\u00e4glich von Vorteil: wer die kommenden Dinge besser absch\u00e4tzen kann, hat es einfacher und ist erfolgreicher. Nun ist nat\u00fcrlich nicht jede Art von Ideen- und Hypothesenbildung und jede Art von Theorie auch Ideologie. Folgt man Engels (und auch indirekt den obigen Quellenangaben) so wird aus Hypothesen und anderen Theorien und Ideen erst dann eine Ideologie, eine \u201eIdeenlehre\u201c, wenn das Bewusstsein des Widerspieglungscharakters der Ideen verloren geht und die Ideen zu etwas sich verselbst\u00e4ndigenden werden.<\/p>\n<p>Ein typisches Beispiel daf\u00fcr sind Argumentationen, dass dies und jenes nicht sein k\u00f6nne, weil es doch diesem oder jenem Gesetz widerspreche, eventuell gar dem Grundgesetz oder \u2013 Gott steh uns bei! \u2013 sogar der UN-Menschenrechtscharta! Herzlich willkommen im Kreis der Ideologen! Hier wird mit Ideologien ein Wertma\u00dfstab gezogen. Denn Gesetze sind pure Ideologie. Sie reflektieren soziale Verh\u00e4ltnisse zu einem bestimmten Zeitpunkt in normativer Form mit der Funktion, diese Verh\u00e4ltnisse zu stabilisieren bzw. zu beeinflussen. Und das Bewusstsein f\u00fcr die dahinterstehende Wirklichkeit ist kaum noch vorhanden. Und da sich mit der Zeit die Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndern, werden bestimmte Gesetze auch unterwandert. Abgesehen davon f\u00fchrt die heutige Gesetzgebungswut dazu, dass es von logischen Widerspr\u00fcchen nur so wimmelt und dass der Interpretationsspielraum explosionsartig w\u00e4chst. Damit soll nicht gesagt sein, dass Gesetze oder gar das heilige Grundgesetz Nebens\u00e4chlichkeiten w\u00e4ren. Es geh\u00f6rt zur Gesellschaft, dass soziale Konflikte auch ideologisch ausgek\u00e4mpft werden. Deswegen muss man sich aber nicht zum Ideologen machen! Man darf schon offenlegen, welche Regelungen welche Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse reflektieren und welche \u00f6konomischen Gruppen bedienen. Man sollte schon laut sagen, dass die Hartz-IV-Gesetzgebung weit trefflicher \u201eGesetzgebung zur Senkung der Lohnkosten\u201c hei\u00dfen k\u00f6nnte. Und man darf schon aufdecken, dass es hier um alles M\u00f6gliche, blo\u00df nicht um Grundsicherung geht.<\/p>\n<p>Zur Ideologie werden Ideen immer dann wenn sich die naive Annahme: \u201eWir m\u00fcssen blo\u00df richtig denken, dann k\u00f6nnen wir auch richtig handeln\u201c verselbst\u00e4ndigt. Ist dieser Satz eh schon falsch, so wird er unheilbar, wenn begonnen wird, das Denken von den Lebensumst\u00e4nden und den damit verbunden Erfahrungen zu trennen. Genau letzteres hat Engels hat in aller Deutlichkeit kritisiert.<\/p>\n<h2><em>Ideen und Ideologien sind Reaktionen auf die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und deren Entwicklung<\/em><\/h2>\n<p>Grundansatz des Materialismus ist das Primat des Materiellen gegen\u00fcber dem Ideellen. Das macht sicher das Ideelle nicht bedeutungslos, grenzt aber die Wirkung stark ein. Nach materialistischer Auffassung steuern zwar die Bewusstseinsinhalte das Individuum wesentlich, aber nicht allein. Und sie sind durch und durch Ergebnis der praktischen Beziehung des Individuums zu seiner nat\u00fcrlichen und gesellschaftlichen Umwelt. Das ist auch das Grundthema in Rubinsteins Buch \u201eSein und Bewusstsein\u201c, in dem er eine materialistische Grundsteinlegung der Psychologie versucht, die auf das durchg\u00e4ngig reflektorische Wesen der Psyche verweist.<\/p>\n<p>Selbst unsere \u201eVoraussichten\u201c, unsere Zukunftsvorstellungen, selbst die kleinsten Erwartungen sind Ergebnisse der Erfahrung. Die Zukunft, egal ob die in 1000 Jahren oder die in einer Millisekunde, existiert noch nicht. Sie kann daher auch geistig nicht erfasst, reflektiert werden. Wer immer der Ansicht ist, dass man die Zukunft vorhersehen kann, hat dem Materialismus den R\u00fccken gekehrt. \u201eVorhersehen\u201c ist jetzt nat\u00fcrlich im direkten und nicht im landl\u00e4ufigen Sinne gemeint. Sicher wei\u00df jeder, der einen Wasserhahn \u00f6ffnet, dass gleich Wasser herauskommt. Aber das ist keine Vorhersehung, sondern Ergebnis tausendfacher Erfahrung. Warum sollte es denn beim tausendundersten Mal anders sein? Nun auch das hat man ja schon erlebt: Da will man Wasser haben, man \u00f6ffnet den Hahn und es kommt \u2026 nichts. Da hat wohl so ein Hirni den Haupthahn abgedreht und nicht Bescheid gesagt! Das w\u00e4re jetzt die Vermutung f\u00fcr die weniger h\u00e4ufigen Ausnahmef\u00e4lle.<\/p>\n<p>An diesem kleinen Beispiel soll verdeutlicht werden: Alle unsere Erwartungen und Zukunftsvorstellungen sind im Grunde mehr oder minder begr\u00fcndete Vermutungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie stimmen, steigt mit dem Allgemeinheitsgrad und der K\u00fcrze des zu \u00fcberschauenden Zeitraumes der Vermutung sowie mit der Erfahrung und dem Wissen desjenigen, der die Vermutung anstellt. Eine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit kann aber nie erreicht werden. Es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Es gibt keine Notwendigkeit ohne Zufall. Die Regel besteht ja gerade darin, dass viele gleichartige F\u00e4lle eintreten. Nicht die Regel begr\u00fcndet die Gleichartigkeit der F\u00e4lle, sondern sie ist deren Folge. Und der Unterschied zwischen Regel und Ausnahme ist einzig und allein die Anzahl der zu ihnen geh\u00f6renden F\u00e4lle: Regelhaft nennt man jene F\u00e4lle, die eine signifikante Mehrheit bilden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist nicht jeder Versuch der geistigen Vorwegnahme, der Antizipation, gleich Ideologie. Das Vergessen der Tatsache, dass jede Antizipation aber im Grunde auf einer h\u00f6chst komplizierten Apperzeption (Wahrnehmung auf Erfahrungsbasis) beruht, ist schon ein sehr guter Schritt in diese Richtung. Vollkommen angekommen bei purer Ideologie als falschem Bewusstsein im marxschen und engelschen Sinne ist man, wenn man ganze Zukunftsbilder entwirft und nicht blo\u00df die sich aus dem Hier und Jetzt ergebende Notwendigkeiten aufmacht. Herzlich Willkommen im Kreise des B\u00fcrgertums, Herr Blessing! Na merken wir nun, dass wir uns ins falsche Lager verlaufen haben, Kollege Dunkhase?<\/p>\n<p>Wenn Ideologien der Reflex auf die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und Prozesse sind, bei denen das Bewusstsein des Widerspiegelungscharakters verloren gegangen ist, so verraten die Inhalte und die scheinbare Kraft von Ideologien zum einen etwas \u00fcber die gesellschaftliche Situation als auch etwas \u00fcber den Platz ihres Tr\u00e4gers darin. Man schaue sich daraufhin das Parteiprogramm der Linkspartei an: Die Probleme der Arbeitenden kommen da weit hinten. Ganz vorn rangiert der Feminismus bis dahin, dass die naturw\u00fcchsige Arbeitsteilung schon fast zum Erbs\u00fcndenfall erkl\u00e4rt wird. Die Probleme der Arbeitenden waren das nie. Sowohl bei den Leibeigenen, als auch bei den einfachsten Arbeiterfamilien hungerte und a\u00df man gemeinsam. Und zu vererben war ehe nichts Nennenswertes. Was st\u00f6rte, war, dass die Frau bei gleicher Arbeit weniger Geld bekam. Und das war eine Belastung f\u00fcr die ganze Familie. Zuhause bei K\u00fcche, Kind und Kirche blieben nur die Frauen besser gestellter Familien, also die Frauen in den Familien des B\u00fcrgertums und der \u201eStehkragenproletarier\u201c. Nur in den bessergestellten Familien war die Beherrschung der Frau eine Verm\u00f6gensfrage. All das l\u00f6ste man einfach mittels Patriarchat. Um die anwachsende Gleichberechtigung zu umschiffen, erfand man dann den Ehevertrag. In Arbeiterfamilien ist der bis heute eher selten. In dem sich aber die Linke mehr dem Binnen-I und anderen abstrusen Schreib- und Ausdrucksweisen widmet, statt in den Vordergrund die einfache und alte Forderung: \u201eGleichen Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\u201c zu stellen, statt einer Frauenquote eine Frauenf\u00f6rderung zu fordern, statt eine Umverteilung der Hausarbeit zwischen Mann und Frau eine Entlastung nicht wohlhabender Familien zu fordern, macht sie ihre B\u00fcrgerlichkeit offensichtlich. Die Bilder, die die Linke in ihrem Programm bem\u00fcht, sind die Bilder der b\u00fcrgerlichen, nicht die der Arbeiterfamilie.<\/p>\n<p>Auch die Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens zeigen sich als Kleinb\u00fcrger: Sie m\u00f6chten auch gern mal ohne zu arbeiten leben, wie ihre gro\u00dfen Vorbilder, die Gro\u00dfkapitalisten. Zu dem kann man in ihren theoretischen Pamphleten sehen, wie weit sie vom Leben weg sind: da wird vom alsbaldigen Aussterben der Arbeit und noch mehr an Unfug gefaselt<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>. Bei vielen Vertretern dieser Ideologen-Gattung beschleicht mich auch der heimliche Verdacht, dass sie, selbst wenn es gutbezahlte Jobs vom Himmeln regnen w\u00fcrden, keinen davon abbekommen w\u00fcrden. Eine Katja Kipping oder einen Ralph Boes kann ich mir jedenfalls nicht in einem Produktions- oder Dienstleistungsbetrieb vorstellen.<\/p>\n<h2><em>Ideologien besitzen keine selbst\u00e4ndige, unabh\u00e4ngige Geschichte und Macht <\/em><\/h2>\n<p>Den Ideologien wird fast immer ein selbst\u00e4ndiges von der Gesellschaft unabh\u00e4ngiges Leben unterstellt. Sie reflektieren aber immer, auch in ihrer Entwicklung, die gesellschaftlichen Prozesse. Auch bei der \u201emarxistisch-leninistischen Ideologie\u201c ist das so.<\/p>\n<p>Die marxistisch-leninistische Ideologie erscheint als Interpretation der Theorien und Hypothesen von Marx, Engels, Lenin und anderen an Marx ankn\u00fcpfenden Praktiker und Theoretiker durch die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re der kommunistischen und Arbeiterparteien und der mit diesen verbundenen Sozialwissenschaftler. Als Interpretation scheint sie durch diese eine Anpassung im Laufe der Zeit zu erfahren, die von den Personen selbst als \u201eWeiterf\u00fchrung\u201c wahrgenommen und verstanden wird.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt sehen viele Angeh\u00f6riger kommunistischer, sozialistischer und origin\u00e4r-sozialdemokratischer Parteien ihre St\u00e4rke in dieser Ideologie.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich verh\u00e4lt es sich wie bei jeder Ideologie genau umgekehrt: Sie ist nicht Ursache der Handelns und der Strategie der betroffenen sozialer Subjekte. Vielmehr ist sie Reaktion auf die bestehenden sozialen Widerspr\u00fcche. Insofern vermittelt die marxistisch-leninistische Ideologie ein den neuen Verh\u00e4ltnissen angemessenes Verhalten. Diese Verh\u00e4ltnisse waren die im 19. Jahrhundert sich entwickelnden neuen Widerspr\u00fcche zwischen Lohnarbeit und Kapital, die im Verh\u00e4ltnis der beiden sozialen Hauptklassen, Proletariat und Bourgeoisie, zum Ausdruck kamen und durch die industrielle Arbeitsteilung, der weltweiten Arbeitsteilung bei lokaler Produktion, bedingt war und dem Stand der industriellen Produktionsmittel entsprach.<\/p>\n<p>Diese neuen \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse f\u00fchrten zur Herausbildung neuer politischer Formationen, wobei die der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft typische Gestalt die der politischen Partei war (und auch noch ist).<\/p>\n<p>Die kommunistischen und sozialistischen Parteien reflektierten dies nun mit der Aufnahme der aus gleichen Gr\u00fcnden entstandenen Theorien und Hypothesen von Marx und dessen Mitstreiter. Dabei erfolgte diese Aufnahme entsprechende der konkreten sozialen Lage und der geringen theoretischen Voraussetzungen in Form einer Ideologie und nicht in Form eines theoretischen Systems. Die Handelnden waren schlie\u00dflich Arbeiter und keine Theoretiker. Schon Lenin war klar, dass diese darum nicht selbst zu einem sozialistische Bewusstsein kommen konnten, sondern dass dies in die Arbeiterbewegung hineingetragen werden muss. Klar d\u00fcrfte auch sein, dass es dort nie vollst\u00e4ndig ankommen wird, sondern bestenfalls in den f\u00fcr die augenblickliche Situation relevanten Teilen. Folglich wurde diese Ideologie stets den wechselnden sozialen Verh\u00e4ltnissen angepasst, wobei ungeachtet aller Br\u00fcche Stringenz behauptet wurde und gelegentlich fast ein Katechismus zustande kam. Besonders die russische sozialistische Oktoberrevolution und die sie begleitenden Hoffnungen hatte eine massenhafte \u00dcbernahme der von Lenin aufgestellten \u00dcberlegungen, Theorien und Hypothesen zur Folge. Auch hier erfolgte die Anpassung in ideologischer Form, obwohl dies der leninschen Formulierung gegen\u00fcber das gerade Gegenteil war. Die immer losere Verbindung zu den theoretischen Ausgangspunkten in den Theorien und Hypothesen Marx&#8216; und das immer st\u00e4rkere Abgleiten in eine doktrin\u00e4re Ideenlehre hatte ihren Ausgangspunkt in der verst\u00e4rkten Herausbildung einer kleinb\u00fcrgerlichen Schicht und insbesondere der Entwicklung von Arbeiterfunktion\u00e4ren zu Kleinb\u00fcrgern. Nun ist die Position eines Funktion\u00e4rs, auch die eines Arbeiterfunktion\u00e4rs, immer eine kleinb\u00fcrgerliche Lebensposition. Das ist nicht schlimm, solange die Verbindung zur Arbeiterklasse sowie zum fortschrittlichen geistigen Erbe erhalten bleibt und man nicht in die Position des Sesselpupsers abrutscht. Wenn sich aber die Funktion\u00e4rsschicht beginnt, von der Arbeiterklasse abzusondern, wenn sie zu vergessen beginnt, dass ihre Welt, ihr Leben und somit auch ihre Vorstellungen nicht die der Arbeiter sind, so ist der Untergang gewiss. Sch\u00f6nen Gru\u00df an das ehemalige Wandlitz! Eines der typischsten Beispiele ist hier der Aufstieg Stalins und dessen Anerkennung als Nachfolger Lenins. Er wurde das, obwohl er alles andere als ein gro\u00dfer Theoretiker und genialer Praktiker war und er sich erhaben gegen\u00fcber der Arbeiterklasse f\u00fchlte und er eigentlich alle wesentlichen leninschen Theorien und strategischen Ideen ohne Untersuchung der Praxis verwarf und durch das genaue Gegenteil ersetzte:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Abkehr vom leninschen Verh\u00e4ltnis zu Krieg und Gewalt als Nothilfe und die auf Frieden zielende Grundorientierung, die im Dekret \u00fcber den Frieden zum Ausdruck kam, durch Invasionen in Finnland, Litauen, Estland und Lettland sowie die Aufteilung Polens mit Hitler, mit der Folge der internationalen Diskreditierung der Sowjetunion.<\/li>\n<li>Die Abkehr von der \u00f6konomisch fundierten Entwicklung der Landwirtschaft \u00fcber Naturalsteuer und angepasster Kollektivierung bei hoher Freiwilligkeit und \u00f6konomischer Interessiertheit und die Hinwendung zu Zwangskollektivierung, erneuten Zwangsabgaben und Gewalt, mit der Folge von Hungersn\u00f6ten und der Abwendung weiterer Teile der Bauernschaft, also der gr\u00f6\u00dften Gesellschaftsschicht Sowjetrusslands.<\/li>\n<li>Die Abkehr von der &#8222;Neuen \u00d6konomischen Politik&#8220; Lenins, die eine teilweise R\u00fcckkehr zu kapitalistischen Methoden bedeute und das Ziel hatte, eine der privatkapitalistischen Welt \u00fcberlegene Wirtschaft durch \u00f6konomische Interessiertheit zu erreichen und die Ersetzung dieser \u00f6konomischen Interessiertheit durch &#8222;\u00dcberzeugung&#8220; und Zwang (Sozialistische Industrialisierung) mit der Folge der Verlangsamung der Entwicklung von Arbeitsproduktivit\u00e4t und Produktivkraftentwicklung und des Vordringens kleinb\u00fcrgerlicher Funktion\u00e4re an den Platz entwickelter Proletarier.<\/li>\n<li>Die Abkehr von einer nach praktischen L\u00f6sungen suchenden praxisorientierten Partei und die Entwicklung zu einer doktrin\u00e4r-ideologischen Funktion\u00e4rspartei mit der Folge der Entwicklung von Karrierismus und damit konterrevolution\u00e4rer Kr\u00e4fte in den eigenen Reihen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Letzteres fand seinen H\u00f6hepunkt in den &#8222;Wende&#8220; am Ende des 20. Jahrhunderts, die im Grunde das Umschlagen der schleichenden Kleinb\u00fcrgerlichkeit im Innern der Parteien zum offenen Orientierung auf die b\u00fcrgerlich-privatkapitalistische Gesellschaftsverfassung und damit zur Konterrevolution war.<\/p>\n<p>Diese Verb\u00fcrgerlichung der Arbeiterparteien und -organisationen stellt selbstredend nur einen Teil der sich \u00e4ndernden Verh\u00e4ltnisse dar. Genauso ist hier die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Kluft zwischen \u00f6konomisch-technischer und sozialer Entwicklung in Europa zu nennen und die immer geringere Rolle, die b\u00fcrgerliche Parteien tats\u00e4chlich im politischen Leben spielen, d. h. deren \u00dcbergang zu blo\u00dfen Anh\u00e4ngseln des Gro\u00dfkapitals, besonders der Banken, die sich auch in den kleinb\u00fcrgerlich-sozial orientierten Kr\u00e4ften, wie den Linken, Gr\u00fcnden, Piraten etc. als &#8222;Realpolitik&#8220; darstellt.<\/p>\n<p>Mithin ist die Abkehr vom Marxismus-Leninismus, sowie dessen immer st\u00e4rkere Entwicklung zu einer reinen Ideologie nicht Ursache der Schw\u00e4che der kommunistischen, sozialistischen und anderen sozialen Kr\u00e4fte, sondern vielmehr der Reflex dieser Schw\u00e4che. Die genannten Kr\u00e4fte sch\u00f6pfen in ihren revolution\u00e4ren Phasen nicht Ihre Kraft aus dem Marxismus-Leninismus, sondern umgekehrt sch\u00f6pfte der Marxismus-Leninismus seine ideelle Kraft und seine Ausstrahlung aus der praktisch-politischen Kraft seiner Tr\u00e4ger &#8211; und befl\u00fcgelte und orientierte sie als Ergebnis dieser Wechselwirkung.<\/p>\n<p>Eine Wiederbelebung der Theorien und Hypothesen von Marx und Nachfolgern und der wissenschaftlichen materialistisch-dialektischen Linie der Sozialtheorien als erneuerte geistige Grundlage kann insofern nur der Reflex daf\u00fcr sein, und sie hat zur Voraussetzung, dass sich eine einflussreiche und gebildete eng mit den Arbeitenden verbundene und daher vor allem aktive Gruppierung als eigenst\u00e4ndige politisch-organisierte Kraft, abseits der b\u00fcrgerlichen Parteiend\u00fcnkel herausbildet.<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit hierf\u00fcr ist aber in Europa und insbesondere in Deutschland gering. Sie hat aber bereits stattgefunden: Unter anderem in China. Die dortige KP definiert ihre Position nicht mehr ideologisch, sondern praktisch, ist aber ganz klar eine Partei der Arbeiter. Das ist ersichtlich in der These von den drei Vertretungen (Produktivkr\u00e4fte, Kultur und Werkt\u00e4tige). Sie benennt zwar als geistige Grundlagen die marxistisch-leninistische Ideologie, die Ideen Mao Tse-tungs und die Theorien Deng Xiao-Pings, macht daraus aber kein Dogma. Insofern wird hier auch die wichtige, orientierende, die realen Verh\u00e4ltnisse in ideologischer Form reflektierende Rolle des Marxismus-Leninismus w\u00e4hrend der Bl\u00fcte der europ\u00e4ischen Gesellschaften gew\u00fcrdigt und \u00fcber den Niedergang dieser Gesellschaften hinaus in seinem positiven theoretischen Gehalt bewahrt. Die Position zur Theorie und die Abkehr von der ideologisierten Form kommen in den zwei Grunds\u00e4tzen zum Ausdruck:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8222;Die Wahrheit ist in den Tatsachen zu suchen&#8220;. Dies r\u00e4umt dem Praxiskriterium den Vorrang vor jedem ideologischen Fabulieren ein.<\/li>\n<li>&#8222;Der Weg zum Sozialismus ist zu erkunden&#8220;. Dies r\u00e4umt den Theorien und auch Ideologien lediglich den Platz ideeller Hilfsmittel ein und nimmt ihnen den Platz letzter Wahrheiten. Das bedeutet damit nicht die R\u00fcckkehr zum origin\u00e4ren Marxismus-Leninismus, sondern die Wiederaufnahme und Fortf\u00fchrung der marxschen theoretischen Richtung als geistiges Hilfsmittel und wissenschaftliche Reflektion an Stelle ideologischer Reflexion.<\/li>\n<\/ul>\n<h2><em>Wir m\u00fcssen nur den Menschen das richtige Bewusstsein geben, dann wird alles gut?<\/em><\/h2>\n<p>Wie schon dargestellt, ist es ein naiver Glaube, man m\u00fcsse nur richtig denken, um erfolgreich handeln zu k\u00f6nnen. Es ist eben nicht nur das eigene Denken, dass das Handeln steuert. Es sind da Emotionen genauso im Spiele, wie Kr\u00e4fte der Natur und Gesellschaft. Und das betrifft auch das Handeln sozialer Gruppen.<\/p>\n<p>Nun kann man ja einwenden: \u201eDann muss man eben genauer denken!\u201c. Blo\u00df: die Zahl der Faktoren ist unendlich. Einen Abschluss des Denkens \u2013 die absolute Wahrheit &#8211; kann es da nicht geben. Nat\u00fcrlich ist genaues Denken wichtig. Aber schon der Versuch, m\u00f6glichst alles vorherzusehen und sich nicht nur auf das Wesentliche zu konzentrieren, stellt den allerbesten Irrweg dar.<\/p>\n<p>Insofern hat schon der Glaube &#8211; oder besser Aberglaube &#8211; eine Partei oder sonst irgendeine Organisation k\u00f6nne im Besitz aller wichtigen Erkenntnisse und fehlerfrei sein, nichts mit Marx zu tun. Der wird zwar mit dem Kommunistischen Manifest oft in dieser Richtung zitiert: \u201eSie (die Kommunisten \u2013 d. Autor) haben theoretisch vor der \u00fcbrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u201c. Den vorhergehenden Satz vergisst man aber gern: \u201eDie Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller L\u00e4nder<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a>\u201c. Und das ist der Kern. Und wenn das gegeben ist, macht Theorie, die nicht nur akademisch oder gar nur Klugschei\u00dferei sein will, Sinn. Marx hat schlie\u00dflich und sicher wohlwei\u00dflich das \u201eKommunistische Manifest\u201c mit dem Satz abgeschlossen: \u201eProletarier aller L\u00e4nder vereinigt Euch!\u201c Nicht \u201eProletarier aller L\u00e4nder, agitiert Euch!\u201c.<\/p>\n<p>Einfach und wieder mit Marx gesagt: \u201eJeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>\u201c. Aus der praktischen T\u00e4tigkeit heraus gewinnt man Erfahrung und Erkenntnisse, kann man bestehende Kenntnisse und bestehendes Wissen verifizieren oder \u00fcberarbeiten und dann besser als vorher praktisch arbeiten. Wo das Wechselspiel von Theorie und Praxis und die Verbindung zum praktischen Leben verloren gehen, wo die Tore von Wandlitz ins Schloss fallen, wo der Parlamentssessel wichtiger ist als der Besuch bei Gewerkschaften, Betriebsr\u00e4ten und Arbeitern (von mir aus auch ArbeiterInnen), da beginnt die ideologische Tollerei.<\/p>\n<h2><em>Sinn und Unsinn weltanschaulicher Arbeit<\/em><\/h2>\n<p>Was f\u00fcr Parteien gilt, gilt auch f\u00fcr andere Organisationen, auch f\u00fcr die Freidenker. Selbst f\u00fcr einen Kultur- und Weltanschauungsverein gilt: \u201eRan ans Leben und an die Probleme der arbeitenden Menschen!\u201c Nicht die Kleinb\u00fcrger sind unser Hauptklientel. Willkommen aber sind alle, die den Blick und die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr jene nicht verloren haben, auf deren H\u00e4nden und Hirnen diese Welt ruht. Diesen Freunden ist zu helfen, auch die Probleme des \u201eeinfachen Mannes\u201c zu verstehen. Aufkl\u00e4rung ist insofern sowohl Vermittlung von Kenntnissen des Materialismus als auch materialistische Betrachtung der Gegenwart und ihrer Probleme.<\/p>\n<p>Insofern ist die \u201eRichtigstellung der Begriffe\u201c nichts anderes, als die Aufdeckung der Dinge, die sie widerspiegeln und die Offenlegung der sozialen Gr\u00fcnde f\u00fcr verschiedene Inhalte gleicher Worte. So ist zum Beispiel der Begriff \u201eMenschenrechte\u201c nicht ohne Kenntnis der politischen K\u00e4mpfe zu verstehen. Und die verschiedene Auslegung und inhaltliche Betonung derselben wieder legt die Position des Interpreten offen. Das ist ein Angebot, das sich an intellektuell Gebildete richtet.<\/p>\n<p>Das sollte aber nicht unsere einzige Zielgruppe sein. Wen wir leider h\u00e4ufig regelm\u00e4\u00dfig und str\u00e4flich aus den Augen verlieren, das sind die heutigen und k\u00fcnftigen Arbeiter selbst: die Lehrlinge und Studenten, die Gewerkschafter und auch die Arbeitslosenorganisationen. An die m\u00fcssten sich zuerst unsere Aufkl\u00e4rung, aber auch unsere Kulturangebote richten. Sonst brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir immer weniger werden. Denn die Zahl der Kleinb\u00fcrger, die mit dem Sozialismus und Kommunismus, wie auch mit Materialismus auch nur entfernt etwas am Hut hat, nimmt notwendig ab. Die wirklich Arbeitenden brauchen aber genau das, auch wenn die Begriffe bei ihnen eventuell verp\u00f6nt sind. Die Arbeitenden stehen nun mal mit beiden Beinen mitten im Leben. Geben wir ihnen also nicht einfach theoretische Bildung, sondern helfen wir ihnen ihre tagt\u00e4glichen Probleme zu sezieren. Suchen wir nicht nur Mitstreiter, die unsere Ideen weitertragen, sondern schauen wir, wie wir mit unserem Wissen denen weiterhelfen k\u00f6nnen, denen die Zukunft geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Oh, das wird und bleibt schwer!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bericht des ZK der SED an den IX. Parteitag \u2026, Dietz-Verlag 1976, S. 125<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe \u201eKlaus Blessing: Die sozialistische Zukunft, edition Berolina, 1. Auflage, 2014\u201c und <a href=\"http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303 \">http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe \u201eFreidenker\u201c Juni-Heft 2015, S. 32 ff. und <a href=\"http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303 \">http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303 \">http:\/\/www.dresden.freidenker.org\/cms\/?p=303<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/2013\/04-13\/012.php\">https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/2013\/04-13\/012.php<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <a href=\"&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ideologie\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ideologie<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Das Fremdw\u00f6rterbuch, Duden-Verlag 1990, S. 331<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Kleines politische W\u00f6rterbuch, Dietz-Verlag 1978, S. 358<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> MEW Dietz-Verlag 1968, Bd 39, S. 97<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> F\u00fcr alle, die zwei K\u00f6pfe zum Sch\u00fctteln besitzen, empfehle ich hier nachzulesen: <a href=\"&quot;https:\/\/www.grundeinkommen.de\/die-idee\/fragen-und-antworten\">https:\/\/www.grundeinkommen.de\/die-idee\/fragen-und-antworten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> MEW Dietz-Verlag 1977, Bd. 4, S. 474<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> MEW Dietz-Verlag 1987 Bd. 19, S. 13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Peter Andreas Sch\u00f6bel Quelle:\u00a0S\u00e4chsischer Freidenker 52\/2015 \u201eDie ideologische Arbeit ist \u2026 das Herzst\u00fcck der Parteiarbeit.[1]\u201c \u2013 Welches Mitglied der SED kannte diesen Satz nicht? In anderen Ausdrucksweisen und mit weitaus weniger theoretischen Anspr\u00fcchen l\u00e4uft einem dieser Satz auch heute noch alle Nase lang \u00fcber den Weg. Da jammern Parteien aller Couleur nach Wahlverlusten, dass es ihnen \u2013 mal wieder \u2013 nicht gelungen ist, ihre Ideen dem gemeinen W\u00e4hler &#8218;r\u00fcber zu bringen. Da hoffen \u201eVision\u00e4re\u201c wie Blessing[2] und Dunkhase[3] beim [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[12],"class_list":["post-157","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weltanschauliches","tag-dresden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=157"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":158,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/157\/revisions\/158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=157"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=157"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=157"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}