{"id":155,"date":"2016-03-05T16:54:42","date_gmt":"2016-03-05T15:54:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/?p=155"},"modified":"2023-02-23T22:09:07","modified_gmt":"2023-02-23T21:09:07","slug":"pegida-und-andere-nazis-was-laeuft-falsch-im-antifaschismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/2016\/03\/05\/pegida-und-andere-nazis-was-laeuft-falsch-im-antifaschismus\/","title":{"rendered":"PEGIDA und andere Nazis \u2013 Was l\u00e4uft falsch im Antifaschismus?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor<\/strong>: Peter Andreas Sch\u00f6bel<\/p>\n<p>An einem Wochenende Mitte Januar traf sich das B\u00fcndnisses \u201eNazifrei \u2013 Dresden stellt sich quer\u201c, um Bilanz zu ziehen und sich strategisch besser auszurichten. Den Bericht dazu findet man in der Jungen Welt vom 20. Januar 2016. Dem B\u00fcndnis ist ohne Zweifel viel Positives im Kampf gegen den wiederaufkommenden Faschismus, den man in Bundesdeutschland lieber Nazismus nennt, zu danken. Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass der gro\u00dfe Erfolg ausgeblieben ist. Sicher ist es gelungen, einen der gr\u00f6\u00dften Aufm\u00e4rsche der Neofaschisten zum 13. Februar etwas zu bremsen. Aber gerade die Gegendemonstrationen gegen PEGIDA gleichen doch mehr dem Hornberger Schie\u00dfen. Ein nennenswerter Erfolg ist nicht zu verzeichnen.<!--more--><\/p>\n<p>Bei der Konferenz wurden dem Bericht nach viele wichtige Umst\u00e4nde treffend beleuchtet, wie zum Beispiel die klandestine Unterst\u00fctzung durch ma\u00dfgebliche Teile des Staates, insbesondere des S\u00e4chsischen. Einige wichtige, grundlegende Fragen, konnte ich aber in den Berichten nicht finden. Nun wei\u00df ich nat\u00fcrlich nicht, ob diese Probleme nicht behandelt wurden oder ob nur nicht dar\u00fcber berichtet wurde. Zu dem bin ich physisch nicht zu praktischen Konsequenzen in der Lage. Und da ist es schon etwas problematisch sich zu \u00e4u\u00dfern. Es ist halt ein bisschen das gem\u00e4chliche Raten vom ber\u00fchmten ruhigen Porte aus. Sei\u2019s d\u2019rum. Vielleich ist es wenigstens als Denkansto\u00df n\u00fctzlich.<\/p>\n<h2>Wer ist eigentlich ein Nazi (Faschist)?<\/h2>\n<p>Diese grundlegende Frage stellen sich meiner Meinung nach Antifaschisten und Linke \u00fcberhaupt zu wenig. Und wenn sie sich diese Frage stellen, f\u00e4llt die Antwort meist tief b\u00fcrgerlich aus und hat wenig sozialistische Sichtweise. Wobei ich hier mit \u201esozialistisch\u201c und \u201eSozialismus\u201c weniger die DDR-Ansichten meine, wenn gleich diese gerade in dieser Frage oft sehr treffend waren, sondern jene Theorie, von der Friedrich Engels schrieb, dass sie eine Wissenschaft geworden ist.<\/p>\n<p>Fast immer wird der Begriff \u201eFaschist\u201c oder \u201eNazi\u201c an der Ideologie festgemacht, manchmal sogar nur an einer antisemitischen Ideologie. Eine der irren logischen Folgen hiervon ist, dass Juden niemals Nazis oder Faschisten sein k\u00f6nnen und dass Deutsche zum Faschismus \/ Nazismus nahezu pr\u00e4destiniert sind. Man befindet sich damit aber schon im besten Nationalchauvinismus und ist damit in dieser Frage von seinen erkl\u00e4rten Gegner geistig gar nicht mehr so weit entfernt, wie man glaubt.<\/p>\n<p>Das Problem wird noch gr\u00f6\u00dfer, wenn man bedenkt, dass Reden und Denken zwei verschiedene Dinge sind. Wer von den PEGIDA-Latschern denkt wirklich so wie Lutz Bachmann? K\u00f6nnte es nicht sein, dass da einige sind, die sich blo\u00df nicht getrauen angesichts der Situation Kritik anzumelden? Und sollten wir nicht begr\u00fcndet annehmen d\u00fcrfen, dass Bachmann noch viel schlimmer denkt, als er redet? Also: Da wir nicht in die K\u00f6pfe hineinsehen k\u00f6nnen, k\u00f6nnen wir auch nicht nach dem Denken einteilen sondern bestenfalls nach dem Reden. Und das scheint mir doch en etwas unsicheres Ma\u00df zu sein.<\/p>\n<p>Wonach aber soll man dann den Nazi, den Faschisten vom anst\u00e4ndigen B\u00fcrger unterscheiden? Nun \u2013 um eine marxsche Methode anzuwenden: Man kann den Nazi durch alles M\u00f6gliche vom anst\u00e4ndigen B\u00fcrger unterscheiden. Er beginnt sich selbst zu unterscheiden, in dem er sich entsprechend organisiert und entsprechend agiert.<\/p>\n<p>Und wie organisiert er sich? Er organisiert sich gegen ethnische, religi\u00f6se oder durch andere sekund\u00e4re Merkmale gekennzeichnete Minderheiten und beg\u00fcnstigt Gewalt gegen diese oder \u00fcbt sie sogar aus. Und er kaschiert bei seinen Aktionen die wahren sozialen Widerspr\u00fcche und bedient die Interessen des wohlhabenden Teils der Bev\u00f6lkerung, \u00fcblicher Weise der Finanzoligarchie. Es ist keine Frage, ob Neonazis, Neofaschisten, PEGIDA solche Interessen bedienen. Man kann das als erwiesen ansehen. Die Aufm\u00e4rsche mit Plakaten, B\u00fchnen und Technik kosten Geld und nicht wenig. Und da reichen Mitgliedsbeitr\u00e4ge nicht aus. Da muss es \u201eSponsoren\u201c geben. Es d\u00fcrfte auch ausgeschlossen sein, dass das klandestine Wohlwollen von einflussreichen Teilen des Staates den Unterschichten und deren Problemen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>NPD, PEGIDA und Co. bedienen unzweifelhaft die Interessen der Kapitaleigner. Wer immer auf Migranten, Linke, Gewerkschaften, Hartz IV-ler usw. dr\u00fcckt, dr\u00fcckt L\u00f6hne. Und wer L\u00f6hne dr\u00fcckt, erh\u00f6ht die Profitrate. Das Shareholder-Value dankt es Euch! Denn mit Hartz-IV, das die soziale Abrissbirne \u201eSPD\u201c eingef\u00fchrt hat, war das Ende der Fahnenstange fast schon erreicht. Und auch eine \u201eGroko\u201c konnte mit Griechenland-Bashing und Ukraine-Konflikt nur noch wenig bessern. Da kommen Migranten wie gerufen. Einerseits hat man einen Ersatzfeind und andererseits billigste Arbeitskr\u00e4fte, die noch billigere Arbeiten annehmen werden, wenn PEGIDA nur richtig auf die \u201eIntegrationswilligkeit\u201c \u2013 sprich \u201eBereitschaft zur Sklaverei\u201c \u2013 dr\u00fcckt. Das korrespondiert dann hervorragend mit der Kanzlerinnen Willkommenskultur: So spielt man die kleinen Leute gegen einander aus.<\/p>\n<p>Hier tritt \u00fcbrigens f\u00fcr viele PEGIDA- und Bachman-Nachlatscher das von ihnen unerkannte Paradoxon ein, dass sie mit ihren Demonstrationen genau das bef\u00f6rdern, wovor sie Angst haben: ihren sozialen Abstieg. Sie haben vergessen oder nie begriffen: \u201eDenn wer im Stich l\u00e4sst seines Gleichen, l\u00e4sst ja nur sich selbst im Stich!\u201c<\/p>\n<p>Auf alles das kann man auch kommen, wenn man \u00fcber die Dimitroffsche Faschismus-Definition nachdenkt: Er kennzeichnete Faschismus als \u201eterroristische Diktatur der am meisten reaktion\u00e4ren, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals\u201c.<\/p>\n<p>Unterscheiden wir zwischen Faschist \/ Nazi und anst\u00e4ndigem Menschen also auf Grund des sichtbaren Handelns und nicht auf Grund des unbekannten Denkens. Nicht wer, dumm denkt oder gelegentlich dumm \u00fcber andere soziale Gruppen quasselt ist ein Faschist \/ Nazi, sondern wer sich gegen soziale Minderheiten organisiert und diese verfolgt und dabei die Interessen des Gro\u00dfkapital bedient oder zumindest in Ruhe l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Allerdings f\u00fchrt das auch dazu, dass man zwischen den einzelnen Nazi-Gruppen differenzieren muss, so wenig, wie das auch manchem Linken gef\u00e4llt. H\u00e4tte man das in der Sowjetunion und beim Aufbau der DDR nicht getan, h\u00e4tten Pieck, Grotewohl und Ulbricht die DDR wohl alleine aufbauen m\u00fcssen und h\u00e4tte es kein \u201eNationalkomitee Freies Deutschland\u201c und darin keinen \u201eBund Deutscher Offiziere\u201c gegeben.<\/p>\n<p>In allen braunen Organisationen muss man unterscheiden zwischen: den Nutznie\u00dfern, die oft auch die Sponsoren sind, den Drahtziehern und verschiedenen Kategorien von Mitl\u00e4ufern, wie Verblendete, Duckm\u00e4user etc. In den heute \u00fcberreichlich im Fernsehen vorzufindenden Berichten \u00fcber Hitler wird man sehr suchen m\u00fcssen, um die Namen seiner Geldgeber zu finden. Wer bezahlte ihm eigentlich sein 12-Zimmer-Appartment in Berlin am Anfang seiner \u201eKarriere\u201c? Er selbst hatte das Geld dazu nicht und auch nicht seine Partei.<\/p>\n<p>Die Methode lautet also: Folge den Geldstr\u00f6men bis zur Quelle und du entdeckst die Hinterm\u00e4nner. Es ist wie beim NSU. Hier hat \u201eDie Anstalt\u201c dankenswerter Weise die Geldstr\u00f6me aufgedeckt.<\/p>\n<p>Und was die Mitl\u00e4ufer angeht: Sie sind keine Unschuldsl\u00e4mmer, aber auch nicht die Hauptschuldigen. Es sind Fehlgeleitete, Verf\u00fchrte und Gekaufte, die sich eigentlich gegen sich selbst und ihres Gleichen wenden. Aber so war es schon immer: Das Kapital schafft sich die Arbeiterklasse, dass sie ihm die Arbeit erledigt. Auch die politische Drecksarbeit. In der Novemberrevolution, in der Weimarer Republik, im 1. und 2. Weltkrieg wurden die Interessen des Gro\u00dfkapitals durch Arbeiter realisiert und so schossen Arbeiter auf Arbeiter. Ich erlaube mir den heute so verp\u00f6nten Begriff \u201eKlassenkampf\u201c zu benutzen: auch im Klassenkampf k\u00e4mpfen Arbeiter auf der Seite ihrer eigenen Gegner. Das muss man schon wissen.<\/p>\n<h2>Wie bek\u00e4mpft man Nazis?<\/h2>\n<p>Zuerst einmal: Es geht nicht in erster Linie um die Bek\u00e4mpfung faschistischer Ideologie. Ideologien t\u00f6ten nicht, Ideologien z\u00fcnden keine H\u00e4user an. Das alles machen Menschen. Sicher: von Ideologien geleitete Menschen. Aber wie kommen diese Menschen zu ihrer Ideologie? Nicht in erster Linie durch Propaganda. Denn so viel faschistische Propaganda hat es nun in Deutschland wahrlich nicht gegeben, dass daraus PEGIDA h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Es sind Organisationen, die aus kleinen, und manchmal sehr dummen Ideen gro\u00dfe und schlimme Ideologien machen. Es ist der Zusammenschluss, die Organisation die das bef\u00f6rdert. Die verschiedensten Ideen findet man immer, sie werden aber erst durch eine Organisation zur Macht. Die kleinen und dennoch schlimmen Ideen haben ihre Ursache in der heutigen Gesellschaft, die im Grunde so beschaffen ist, dass sich jeder selbst der N\u00e4chste ist und jeder Andere ein Konkurrent. Dass daraus aber eine verbrecherische Ideologie wird, dazu bedarf es des Zusammenschlusses. Der Kampf gegen Nazis \/ Faschisten sollte daher in erster Linie ein Kampf gegen deren Organisationen sein. Mit dem Verlust der Organisation reduziert sich die faschistische Ideologie wieder auf ihren Embryonalzustand. Der allerdings ist nur mit dem Kapitalismus \u00fcberwindbar. Erst eine Gesellschaft in der nicht jeder des N\u00e4chsten Teufel ist, kann das bringen. Es geht also prim\u00e4r gegen faschistische Organisationen. Alles andere ist Hilfsmittel. Und also muss man die soziale Struktur dieser Organisationen beachten: Nutznie\u00dfer und Sponsoren, Strippenzieher, Mitl\u00e4ufer aller Couleur.<\/p>\n<p>Hat man erst einmal begriffen, wer der Gegner ist, ist es einfacher eine richtige Strategie und Taktik zu entwickeln. Es kann also nicht ausreichen, den Nazis am 13. Februar oder den PEGIDA-Latschern das Latschen zu erschweren oder zu vermasseln. Denn erstens findet das Kapital stets neue Leute f\u00fcr die Drecksarbeit, wenn es solche braucht. Und zu dem zieht dann auch noch das doofe Argument: \u201eSeht, ihr werdet verfolgt, also seid ihr im Recht!\u201c Dieses Argument wird von Verf\u00fchrern aller Art sehr gern benutzt, und m\u00f6glichst schon im Vorfeld, um dann als erf\u00fcllte Prophezeiung den Gestank der L\u00fcge mit dem Geruch von Wahrheit zu \u00fcbert\u00fcnchen. Das hei\u00dft nicht, dass man sich dem nicht in den Weg stellen sollte. Das ist sicher notwendig, bringt aber keine durchschlagenden Erfolge.<\/p>\n<p>Besser ist schon der Gedanke, sich auch mit den Argumenten und Ideen auch der Gegenseite substantiell auseinanderzusetzen. Sicher ist das ein ideologischer Kampf. Aber er k\u00f6nnte einige Mitlatscher abspenstig machen und andere davon abhalten, sich ihnen anzuschlie\u00dfen. Das h\u00e4tte schon Wirkung auf die Entwicklung von Naziorganisationen. Auch das ist wichtig, auch um nicht selbst theoretisch auszurutschen. Aber auch das wird nicht den gro\u00dfen Durchbruch bringen. Dummk\u00f6pfe finden sich immer. Einstein hat schon recht, als er gesagt haben soll: \u201eEs gibt zwei Dinge, die sind unendlich: das Weltall und die menschliche Dummheit. Aber bei Weltall bin ich mir nicht sicher.\u201c Es sind durch Aufkl\u00e4rung Erfolge m\u00f6glich, aber nicht der gro\u00dfe Durchbruch. Im 2. Weltkrieg wurde mit Flugbl\u00e4ttern und Frontbeauftragten versucht, Soldaten vom sinnlosen k\u00e4mpfen abzuhalten. Die Erfolge waren eher m\u00e4\u00dfig, obwohl es damals um das nackte Leben ging. Aber es gab Erfolge: Greifswald und R\u00fcgen wurde beispielsweise kampflos \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Was aber tun, wenn man sich einerseits den Latschern praktisch und ideologsich in den Weg stellen muss, andererseits das keinen entscheidenden Erfolg bringen kann? Nehmen wir hier Anleihe beim Milit\u00e4r, auch wenn das heute verp\u00f6nt ist. Ein guter Feldherr war nie, wer seine Hauptaufgabe darin sah, jeden Gegner zu bek\u00e4mpfen. Das war die Aufgabe der Unteroffiziere. Den Feldherrn ging es darum die Schlacht zu gewinnen. Dazu musste er die Kommandopunkte der Gegners besiegen. Wem es gelang die Organisationsstrukturen und insbesondere die F\u00fchrungszentren des Gegners auszuschalten, der hatte am Ende gesiegt, nicht der, der m\u00f6glichst viele kleine Soldaten umgebracht hatte.<\/p>\n<p>Schlussfolgerung: Wenn es gelingt den Nutznie\u00dfern, Sponsoren und Strippenziehern das Handwerk zu legen oder wenigstens die Suppe zu versalzen, ist mehr gewonnen als mit jeder direkten Gegendemonstration. Und wie macht man das? Da diese Leute das Licht der \u00d6ffentlichkeit scheuen, d\u00fcrfte der erste vern\u00fcnftige Schritt sein, das Licht der \u00d6ffentlichkeit auf diese zu lenken. Anders gesagt: es ist an der Zeit, das Antifaschisten die Frage: \u201eWer hat bezahlt? Wer hat das bestellt?\u201c sachkundig beantworten und die Antwort \u00f6ffentlich machen. Dazu reichen Vermutungen aber nicht aus. Das bedarf handfester Tatsachen. Damit zwingt man jene Leute in den Ring, die lieber andere f\u00fcr sich arbeiten und k\u00e4mpfen lassen und die das Arbeiten und K\u00e4mpfen mit Sicherheit nicht gewohnt sind. Und wenn dann noch vor deren Haust\u00fcr Demos abrollen, wird sie das nicht am\u00fcsieren. Damit k\u00f6nnte man wohl viel mehr Erfolg haben, als mit Gegendemos gegen ihr Fu\u00dfvolk. Allerdings soll hier nur geraten sein, den Schwerpunkt zu verlagern und nicht etwa die angeheuerten Mitl\u00e4ufer ungeschoren ziehen zu lassen. Wenn denen aber bewusst wird, wem sie eigentliche hinterherrennen, kann ihnen das auch die Sache etwas unerquicklich machen.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit den falschen Ideen der Nazis darf man keinesfalls aus den Augen verlieren. Das sollte schon integraler Bestandteil sein. Auch wenn das letztlich nicht die entscheidende Frage ist, so wird auch damit sichtbar, worum es eigentlich geht. Hier bedarf es deutlich sch\u00e4rferer Gedanken. So drehten sich die Diskussionen zum 13. Februar 1945 zum Beispiel immer um die Frage: War das nun ein Verbrechen oder ein Kampf gegen Hitler? Zuerst sollte man begreifen, dass das eine das andere nicht ausschlie\u00dft. Denn der Fall, dass der Gerechte im Krieg wei\u00dfe Kleidung tr\u00e4gt und auf einem wei\u00dfen Schimmel daher kommt und nie etwas Unrechtes tut, geh\u00f6rt nun wirklich der M\u00e4rchenwelt an.<\/p>\n<p>Auch die Frage, war Dresden eine Stadt der T\u00e4ter oder der Opfer kann nur in der M\u00e4rchenwelt eindeutig beantwortet werden. Beides war hier vorhanden. Oder will man mir erz\u00e4hlen, dass auch Kleinkinder und S\u00e4uglinge den T\u00e4tern zuzurechnen w\u00e4ren? Allerdings: die Bombengriffe richteten sich in erster Linie gegen die Wohngebiete der Mitl\u00e4ufer und kleinen Strippenzieher. Das Wohngebiet der gro\u00dfen Strippenziehr und der Nutznie\u00dfer, der Wei\u00dfe Hirsch, hatte wahrlich wenige Zerst\u00f6rungen aufzuweisen. Auch die \u00f6konomisch wichtigen Punkte Bahnhof Friedrichstadt und Industriegel\u00e4nde wurden weitestgehend verschont. Die wurden erst im M\u00e4rz und April angegriffen. Damit war der Angriff auf Dresden sicher gegen die Faschisten gerichtet, milit\u00e4risch aber nicht sehr produktiv. Das muss jedem h\u00f6heren Milit\u00e4r der Alliierten klar gewesen sein. Der Angriff auf Dresden war damit auf alle F\u00e4lle ein fr\u00fches Zeichen f\u00fcr die aufkommenden \u2013 oder nie ganz verschwundenen \u2013 Differenzen zwischen West- und Ostalliierten. F\u00fcr die Rote Armee bedeuteten die Ergebnisse dieser Angriffe eher ein langsameres, als ein schnelleres Vorankommen. Diese Differenzen scheinen mir gegen Kriegsende immer mehr Gewicht gegen\u00fcber dem gleichzeitig stattfindenden gemeinsamen Kampf gegen Hitler bekommen und die Kriegsf\u00fchrung bestimmt zu haben. Letztlich scheinen mir Bombardements gegen Zivilbev\u00f6lkerungen auch ein typisches Merkmal der Kriegsf\u00fchrung Gro\u00dfbritanniens und der USA, wie \u00fcberhaupt imperialer Kriegsf\u00fchrung zu sein. Sie leisten in milit\u00e4risches Hinsicht wenig und sind im Grunde Machtdemonstrationen und menschenverachtend. Das stellt sie im Falle Dresdens zwar nicht auf eine Stufe mit Hitler und dem Faschismus, aber doch ganz deutlich ins Abseits. Und das \u00e4ndert auch nichts an der Frage der Kriegsschuld \u00fcberhaupt. Wie gesagt: Kriege sind keine Waffeng\u00e4nge hochedler Ritter.<\/p>\n<p>Eine differenzierte, genaue, an den Tatsachen orientierte Auseinandersetzung mit den falschen Parolen der Brauen scheint mir unbedingt notwendig zu sein. Mit Plattheiten und einfachen Urteilen landet man nur zu oft Schiffbruch.<\/p>\n<p>Und eine differenzierte, genaue, an den Tatsachen orientierte Herangehensweise in allen Fragen ist das, was mehr gebraucht wird. Am pers\u00f6nlichen Einsatz, am guten Willen und guten Absichten der Antifaschisten hat es wahrlich nicht gemangelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Peter Andreas Sch\u00f6bel An einem Wochenende Mitte Januar traf sich das B\u00fcndnisses \u201eNazifrei \u2013 Dresden stellt sich quer\u201c, um Bilanz zu ziehen und sich strategisch besser auszurichten. Den Bericht dazu findet man in der Jungen Welt vom 20. Januar 2016. Dem B\u00fcndnis ist ohne Zweifel viel Positives im Kampf gegen den wiederaufkommenden Faschismus, den man in Bundesdeutschland lieber Nazismus nennt, zu danken. Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass der gro\u00dfe Erfolg ausgeblieben ist. 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