{"id":134,"date":"2013-04-29T10:06:16","date_gmt":"2013-04-29T08:06:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/?p=134"},"modified":"2023-02-23T21:11:48","modified_gmt":"2023-02-23T20:11:48","slug":"arbeiterklasse-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/2013\/04\/29\/arbeiterklasse-heute\/","title":{"rendered":"Arbeiterklasse heute"},"content":{"rendered":"<p>Autor:<strong> Dr. Dieter Hillebrenner <\/strong>(Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung)<\/p>\n<p>Die Frage nach der Arbeiterklasse in der Gegenwart ist genauso wenig spitzfindig, wie ihre Beantwortung Selbstzweck. Geht es doch angesichts der weltweit dramatisch versch\u00e4rften gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche im Grunde um die Bestimmung vor allem jener Kr\u00e4fte, deren Stellung im Reproduktionsprozess sie zum Kampf gegen das Kapital dr\u00e4ngt und bef\u00e4higt.<!--more--><\/p>\n<p>Durch die komplexe Wirkung vielf\u00e4ltiger Ursachen<a href=\"#_ftn1\" name=\"#ftnref1\">[1]<\/a> scheint die Arbeiterklasse (das Proletariat) in den K\u00f6pfen vieler Menschen abhanden gekommen. In einem Beitrag des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung ist die vorherrschende Meinung zu lesen: \u201eBemerkenswerterweise ist die Arbeiterschaft selbst als soziale Klasse und politischer Akteur aus dem Aufmerksamkeitshorizont der gesellschaftlichen \u2026\u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"#ftnref2\">[2]<\/a> Unter marxistischen Wissenschaftlern gibt es viele, auch kontroverse Diskussionen zur Arbeiterklasse als Subjekt revolution\u00e4rer Ver\u00e4nderungen in der Gegenwart. Das betrifft weniger die Frage, ob es \u00fcberhaupt noch eine Arbeiterklasse gibt, als vielmehr solche Fragen wie: Schrumpft die Arbeiterklasse? Erfasst der Begriff \u201eArbeiterklasse\u201c die eingetretenen sozial\u00f6konomischen Ver\u00e4nderungen richtig? Erleben wir die Entstehung einer neuen Arbeiterklasse? Wer geh\u00f6rt heute dazu? usw. Marx und Engels verstanden unter der Arbeiterklasse diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihren Lebensunterhalt einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Arbeit und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht; deren Wohl und Wehe, deren Leben und Tod, deren Existenz von der Nachfrage nach Arbeit, also von dem Wechsel der guten und schlechten Gesch\u00e4ftszeiten, von den Schwankungen einer z\u00fcgellosen Konkurrenz abh\u00e4ngt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"#ftnref3\">[3]<\/a> Das waren die st\u00e4dtischen Arbeiter, \u00fcberhaupt die Fabrikarbeiter, die Industriearbeiter, die imstande sind, die ganze Masse der Werkt\u00e4tigen und Ausgebeuteten zu f\u00fchren im Kampf f\u00fcr den Sturz der Macht des Kapitals.<a href=\"#_ftn4\" name=\"#ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0 Diese F\u00e4higkeit erwuchs aus der Situation der Fabrikarbeiter in der Stadt und in der Industrie, die die f\u00fcr den Klassenkampf erforderliche Organisation, Disziplin und Ausdauer wesentlich pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>Die Hoffnung von Marx und Engels, es werde zu einer Vereinheitlichung der Arbeiterklasse kommen, was ihrer Organisierung und ihrem Kampf n\u00fctzlich w\u00e4re, hat sich nicht erf\u00fcllt.<a href=\"#_ftn5\" name=\"#ftnref5\">[5]<\/a> Das Gegenteil trat ein: eine sich national und international st\u00e4ndig vertiefende und vergr\u00f6\u00dfernde Differenzierung der Arbeiterklasse. Das war und ist eine Folge der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung, verst\u00e4rkt durch die zielgerichtete Spaltung der Arbeiterklasse durch das Kapital und dessen Staat (Stichwort Arbeitsmarktpolitik). Mit der seit den 1970er Jahren einsetzenden mikroelektronischen Revolution vollzieht sich eine atemberaubende Entwicklung der technologischen Produktivkr\u00e4fte. In der BRD lag die j\u00e4hrliche Produktivit\u00e4tssteigerung in den siebziger und achtziger Jahren zwischen 2,3 und 3,9 Prozent, in den 90er Jahren bis 2006 zwischen 3,2 und 4,1 Prozent. Der historisch beispiellosen Steigerung technologischer Produktivkr\u00e4fte steht die Zerst\u00f6rung massenhafter Potentiale menschlicher Produktivkraft gegen\u00fcber.<a href=\"#_ftn6\" name=\"#ftnref6\">[6]<\/a> Der mit der Produktivkraftentwicklung verbundene, einschneidende Wandel in der Struktur der Arbeiterklasse und die verheerenden Wirkungen f\u00fcr deren Arbeits- und Lebensbedingungen werden an drei Entwicklungen deutlich:<\/p>\n<p>Erstens. Die Zahl der im produzierenden Gewerbe Besch\u00e4ftigten (Bergbau, Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Baugewerbe) ist r\u00fcckl\u00e4ufig. Ihr Anteil an den Gesamtbesch\u00e4ftigten in der BRD sank zwischen 1991 und 2006 von 29 auf 20 Prozent. Dieser R\u00fcckgang betrifft vor allem die in der industriellen Gro\u00dfproduktion Besch\u00e4ftigten, den mehrwertproduzierenden Kern der Arbeiterklasse. Der im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts einsetzende \u00dcbergang zur weitgehenden Automatisierung der Produktionsprozesse bewirkt zugleich das Entstehen einer lohnabh\u00e4ngigen Schicht, deren Angeh\u00f6rige Leitungsaufgaben im Produktionsprozess wahrnehmen. Zu seiner Zeit sprach Marx von einem numerisch unbedeutenden Personal, das mit der Kontrolle der gesamten Maschinerie und ihrer best\u00e4ndigen Reparatur besch\u00e4ftigt ist, wie Ingenieure, Mechaniker, Schreiner usw. Es ist eine h\u00f6here, teils wissenschaftlich gebildete, teils handwerksm\u00e4\u00dfige Arbeiterklasse, au\u00dferhalb des Kreises der Fabrikarbeiter und ihnen nur aggregiert.<a href=\"#_ftn7\" name=\"#ftnref7\">[7]<\/a> Das einst numerisch unbedeutende Personal hat sich bis heute nicht nur zahlenm\u00e4\u00dfig enorm vergr\u00f6\u00dfert. Es wurde vom aggregierten zum integralen Bestandteil der Betriebsbelegschaften (hochspezialisierte Facharbeiter, Informatiker, Programmierer, Infotechniker u.a.m.). Anders als z. B. Flie\u00dfbandarbeiter, Kumpel unter Tage oder Hoch\u00f6fner empfinden diese Lohnarbeiter ihre T\u00e4tigkeit als \u201eselbstbestimmt&#8220;, als Teil ihrer \u201eSelbstverwirklichung&#8220;. Sie betrachten sich als Angeh\u00f6rige einer Mittelschicht, nicht der Arbeiterklasse. Die Verringerung des Anteils der in der Industrie Besch\u00e4ftigten geht einher mit einer zielstrebig organisierten Umschichtung und Differenzierung innerhalb der Belegschaften durch das Kapital. Es erfolgt eine Trennung nach Kern- und Randbelegschaften. Die Stammbelegschaften werden \u201eausged\u00fcnnt&#8220; und erg\u00e4nzt durch Teilzeitbesch\u00e4ftigte und Leiharbeiter in extrem belastenden, niedrig entlohnten und sozial unsicheren Arbeitsverh\u00e4ltnissen. In vielen Konzernen ist bereits jeder dritte Besch\u00e4ftigte ein Leiharbeiter. F\u00fcnfzig Prozent aller 2007 angeblich neu geschaffenen Arbeitspl\u00e4tze entstanden bei Leiharbeitsfirmen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"#ftnref8\">[8]<\/a> Im gleichen Jahr wies die Struktur der Leiharbeiter folgendes aus: 59 Prozent waren Hilfsarbeiter, 11 Prozent Facharbeiter\/Meister, 23 Prozent Angestellte mit qualifizierten T\u00e4tigkeiten, 5 Prozent Hochqualifizierte\/F\u00fchrungskr\u00e4fte und 2 Prozent Auszubildende. Die Revolutionierung des Produktionsprozesses auf kapitalistischer Grundlage ist begleitet von der Aussortierung lebendiger Arbeit. Das Ergebnis sind Niedriglohn- und Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse, unbezahlte Praktika, Scheinselbstst\u00e4ndigkeit u. a. Es entstehen massenhaft unsichere (prek\u00e4re) Arbeitsverh\u00e4ltnisse. Massenarbeitslosigkeit wurde zu einer zyklenunkabh\u00e4ngigen Dauererscheinung. Dramatisch stieg die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>Zweitens. Im Unterschied zum produzierenden Gewerbe vollzieht sich ein rasches Anwachsen der Zahl der Besch\u00e4ftigten im Dienstleistungssektor(Handel und Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichten\u00fcbermittlung, Grundst\u00fccks- und Wohnungswesen, Kredit- und Versicherungsgewerbe, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen und andere \u00f6ffentliche und private Dienstleistungen). Deren Anteil an den Gesamtbesch\u00e4ftigten erh\u00f6hte sich von 1991 bis 2006 von 60 auf 72 Prozent. Diese zahlenm\u00e4\u00dfigen Ver\u00e4nderungen sind Ausdruck von Verschiebungen im Anteil von produktiver und unproduktiver Arbeit, die f\u00fcr die Charakterisierung der Arbeiterklasse von heute bedeutsam sind. Mit dem kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses erweitert sich der Begriff der produktiven Arbeit und ihres Tr\u00e4gers, des produktiven Arbeiters. Um produktiv t\u00e4tig zu sein, ist es heute nicht mehr notwendig, selbst Hand am Produkt anzulegen. Es gen\u00fcgt, \u201eOrgan des Gesamtarbeiters zu sein, irgendeine seiner Unterfunktionen zu vollziehen&#8220;.<a href=\"#_ftn9\" name=\"#ftnref9\">[9]<\/a> Tiefgreifende Ver\u00e4nderungen in der Kommunikation und Logistik gestatten heute die \u201eAuslagerung&#8220; von Arbeit aus dem produktiven Bereich. Es erfolgt \u201eeine partielle Entgrenzung und Aufl\u00f6sung der Fabrik als Produktionsort&#8220;.<a href=\"#_ftn10\" name=\"#ftnref10\">[10]<\/a> Gleichzeitig werden geringere L\u00f6hne gezahlt und der Leistungsdruck erh\u00f6ht. Die Zahl der freiberuflich T\u00e4tigen, der formell Selbstst\u00e4ndigen und Heimarbeiter w\u00e4chst und mit ihnen ihre soziale Unsicherheit. Unter den Empf\u00e4ngern von Hartz-IV-Leistungen befanden sich Ende 2008 rund 115.000 Selbstst\u00e4ndige. Umgekehrt schrumpft das Personal in traditionellen Bereichen. Seit 1991 baute die Bundesbahn \u00fcber 275.000 und die Post 140.000 Arbeitspl\u00e4tze ab. Mit der Privatisierung \u00f6ffentlicher Einrichtungen im Gesundheits-, Wohnungs-, Verkehrs- und Bildungswesen werden die f\u00fcr das Kapital unproduktiv Besch\u00e4ftigten in mehrwertproduzierende Arbeiter und Angestellte verwandelt. Bund, L\u00e4nder und Gemeinden zahlen vielen ihrer Besch\u00e4ftigten so niedrige Geh\u00e4lter, dass diese zus\u00e4tzlich Hartz-IV-Leistungen ben\u00f6tigen. Das betraf 2007 sogar 33.000 Lehrer und Erzieher.<a href=\"#_ftn11\" name=\"#ftnref11\">[11]<\/a> Tendenziell gleicht sich die Lage der Arbeiter, Angestellten, niederen Beamten und Selbstst\u00e4ndigen im Dienstleistungssektor der der Besch\u00e4ftigten im produzierenden Gewerbe an.<\/p>\n<p>Drittens. In der gewerblichen Wirtschaft und im Dienstleistungsbereich vollzieht sich ein Prozess des sozialen Niedergangs und einer sich ausweitenden Verunsicherung. Es w\u00e4chst die Zahl der gering bezahlten und sozial ungen\u00fcgend gesicherten Arbeitspl\u00e4tze, die nicht mehr den Lebensunterhalt gew\u00e4hrleisten. Betroffen sind Millionen Erwerbsf\u00e4hige. Seit einigen Jahren werden daf\u00fcr die Signalw\u00e4rter Prekarit\u00e4t und Prekariat benutzt. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) bezeichnet als Prekarier \u201ejene, die aufgrund ihres Erwerbsstatus nur geringe Arbeitsplatzsicherheit genie\u00dfen, die wenig Einfluss auf die konkrete Gestaltung ihrer Arbeitssituation haben, die nur partiell im arbeitsrechtlichen Schutzkreis stehen und deren Chancen auf materielle Existenzsicherung durch Arbeit in der Regel schlecht sind&#8220;.<a href=\"#_ftn12\" name=\"#ftnref12\">[12]<\/a> Prekariat erzeugte der Kapitalismus schon immer. Marx sprach vom \u201eoffiziellen Pauperismus&#8220; und bezeichnete damit zwei Gruppen: Die \u201eLazarusschicht der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee&#8220;.<a href=\"#_ftn13\" name=\"#ftnref13\">[13]<\/a>\u00a0 In der Gegenwart sind es die erwerbst\u00e4tigen Armen, die armen Erwerbslosen, die vom Kapital nicht mehr ben\u00f6tigten Arbeitskraftverk\u00e4ufer &#8211; die \u00dcberfl\u00fcssigen! Neu ist dabei, dass dieser Pauperismus in allen Wirtschaftszweigen eine mannigfaltige Erscheinung darstellt. Der Anteil prek\u00e4r Besch\u00e4ftigter an den Gesamtbesch\u00e4ftigten erh\u00f6hte sich in der BRD von 1994 etwa 32 Prozent bis 2005 auf 48 Prozent.<a href=\"#_ftn14\" name=\"#ftnref14\">[14]<\/a> Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung ist eine der wichtigsten Kapitalstrategien, um die Arbeit von der gutbezahlten, \u00fcber die schlechtbezahlten zur unterbezahlten Arbeit hin umzuverteilen. Das ist keine kurzzeitige Strategie, sondern die aus der Sicht des Kapitals konsequente und notwendige Weiterentwicklung der Kapitalverwertungsform.<a href=\"#_ftn15\" name=\"#ftnref15\">[15]<\/a> Den Unterschied zwischen Prekarier und Proletarier sehen b\u00fcrgerliche Soziologen darin, dass den erstgenannten politisch nichts zuzutrauen sei. \u201eW\u00e4hrend das Proletariat als soziale Klasse mit allerlei Heilerwartungen oder politischen Verbesserungsphantasien befrachtet wurde, eignet sich das Prekariat heute eher als neue Projektionsfl\u00e4che politischer Ressentiments und sozialer Resignation&#8220;.<a href=\"#_ftn16\" name=\"#ftnref16\">[16]<\/a> Hier wird ein Zustand beschrieben, wie ihn die breite \u00d6ffentlichkeit aufnimmt.<\/p>\n<p>Doch von den Monopolmedien unbeachtet, vermittelten die 2004 spontan entstandenen Montags-Demonstrationen in rund 200 St\u00e4dten der BRD einen v\u00f6llig anderen Eindruck. Es waren Arbeitslose und Hartz-IV-Opfer, die vier Jahre lang, Montag f\u00fcr Montag ihren Protest gegen Deklassierung, Ausgrenzung, Verarmung und Dem\u00fctigung \u00f6ffentlich machten. Denn die Chance, ihre Arbeitskraft durch Streik zu verweigern, haben sie nicht mehr. Sie ist bereits unverk\u00e4uflich geworden. Doch die Proteste blieben ein Strohfeuer, weil vor allem die Unterst\u00fctzung durch Gewerkschaften und Betriebsbelegschaften fehlte. Es gibt die Auffassung, in den besonders sozial Verunsicherten und Ausgegrenzten die neue revolution\u00e4re Kraft, das Subjekt zur L\u00f6sung gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche zu sehen. Dem steht entgegen, dass trotz Schrumpfung, die in der materiellen Produktion Besch\u00e4ftigten ihre zentrale Funktion als Kern der Lohnabh\u00e4ngigen behalten, weil sie auch heute noch \u00fcber die besten, da wirkungsvollsten M\u00f6glichkeiten zum Widerstand gegen das Kapital verf\u00fcgen.<a href=\"#_ftn17\" name=\"#ftnref17\">[17]<\/a> Gegenw\u00e4rtig sind in der BRD fast 90 Prozent der etwa 40 Millionen Erwerbst\u00e4tige \u201eblo\u00dfe Eigent\u00fcmer von Arbeitskraft&#8220; (Marx). Sie weisen das gleiche, grundlegende und damit bestimmende Klassenmerkmal auf: Sie besitzen kein Eigentum an Produktionsmitteln. Ihr \u00f6konomischer Gegensatz zum Kapital versch\u00e4rft sich. In dieser Beziehung sind sie homogen. Sozialstrukturelle Unterschiede sind lediglich Ergebnisse \u201einterner&#8220; Umwandlungen innerhalb der durch Klassenspaltung definierten Gesellschaft.<a href=\"#_ftn18\" name=\"#ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Doch das Antlitz der Lohnarbeiter hat sich ver\u00e4ndert. Das Wesen der proletarischen Existenz \u00e4u\u00dfert sich in einer au\u00dferordentlich vergr\u00f6\u00dferten Vielfalt. Durch die Spaltungs-, Ausgrenzungs- und Verarmungstendenzen sind innerhalb der Arbeiterklasse auch neue Trennlinien entstanden. Die permanente Gefahr sozialen Abstiegs erzwingt extreme Leistungsbereitschaft und Flexibilit\u00e4t, erh\u00f6ht den Konkurrenzdruck zwischen Arbeitern und Angestellten und verst\u00e4rkt die Suche nach individuellen Notl\u00f6sungen. Sie sind zu weitgehenden Zugest\u00e4ndnissen an das Kapital bereit. Es wird immer schwieriger, die gemeinsamen, die grundlegenden Klassenmerkmale, -interessen und -bed\u00fcrfnisse zu erfassen und die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns zu vermitteln. Das macht die politische Klassenbildung so problematisch und langwierig. Es bedarf eines Lernprozesses durch Teilnahme an den Abwehrk\u00e4mpfen, die den Lohnabh\u00e4ngigen tagt\u00e4glich aufgezwungen werden. Hochaktuell ist und bleibt die Aufgabe, die politisch-ideologische Blockade f\u00fcr die Revitalisierung von Klassenbewusstsein und Klassenhandeln aufzubrechen. In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage beantwortet werden, inwieweit historische Erfahrungen der Arbeiterbildung heute noch von Nutzen sind.<\/p>\n<p>Quelle: \u201eS\u00e4chsischer Freidenker\u201c, Nr. 35, Aug. 2009<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a href=\"#ftnref1\" name=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Genannt seien vor allem die Niederlage des europ\u00e4ischen Sozialismus, die vielf\u00e4ltigen Ver\u00e4nderungen in der Klassen- und Sozialstruktur der imperialistischen Metropolen, die Tatsache, dass der Klassenkampf von oben auf keinen nennenswerten Klassenwiderstand von unten st\u00f6\u00dft und das Wirken der Monopolmedien.<br \/>\n<a href=\"#ftnref2\" name=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Aus Politik und Zeitgeschichte, 33-34\/2008, S.13<br \/>\n<a href=\"#ftnref3\" name=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Siehe Marx-Engels, Werke, Bd.4, S.363<br \/>\n<a href=\"#ftnref4\" name=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Siehe Lenin, Werke, Bd.29, S.409.<br \/>\n<a href=\"#ftnref5\" name=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Siehe \u201eZweifel am Proletariat &#8211; Wiederkehr der Proletarit\u00e4t\u201c, Neue Impulse Verlag, S. 61<br \/>\n<a href=\"#ftnref6\" name=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Umbau der Klassengesellschaft, Neue Impulse Verlag, S. 103<br \/>\n<a href=\"#ftnref7\" name=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Marx-Engels, Werke, Bd.23, S.443<br \/>\n<a href=\"#ftnref8\" name=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Siehe Unsere Zeit, 5. September 2008<br \/>\n<a href=\"#ftnref9\" name=\"#_ftn9\">[9]<\/a> Marx-Engels, Werke, Bd.23, S.531<br \/>\n<a href=\"#ftnref10\" name=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Topos, Sonderheft 1, 2005, S.35<br \/>\n<a href=\"#ftnref11\" name=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Siehe Neues Deutschland, 15.\/16. M\u00e4rz 2008<br \/>\n<a href=\"#ftnref12\" name=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Aus Politik und Zeitgeschichte, a. a. O<br \/>\n<a href=\"#ftnref13\" name=\"#_ftn13\">[13]<\/a> Marx-Engels, Werke, Bd.23, S. 673 f.<br \/>\n<a href=\"#ftnref14\" name=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Siehe Neues Deutschland, 14. M\u00e4rz 2008<br \/>\n<a href=\"#ftnref15\" name=\"#_ftn15\">[15]<\/a> Siehe lunapark, 3\/2008, S.23<br \/>\n<a href=\"#ftnref16\" name=\"#_ftn16\">[16]<\/a> Aus Politik und Zeitgeschichte, a. a. O., S. 14<br \/>\n<a href=\"#ftnref17\" name=\"#_ftn17\">[17]<\/a> Siehe Marxistische Bl\u00e4tter, 3-09, S. 1<br \/>\n<a href=\"#ftnref18\" name=\"#_ftn18\">[18]<\/a> Siehe Hans Heinz Holz: Kommunisten heute, Neue Impulse Verlag 1995, S.87.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Dr. Dieter Hillebrenner (Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung) Die Frage nach der Arbeiterklasse in der Gegenwart ist genauso wenig spitzfindig, wie ihre Beantwortung Selbstzweck. Geht es doch angesichts der weltweit dramatisch versch\u00e4rften gesellschaftlichen Widerspr\u00fcche im Grunde um die Bestimmung vor allem jener Kr\u00e4fte, deren Stellung im Reproduktionsprozess sie zum Kampf gegen das Kapital dr\u00e4ngt und bef\u00e4higt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[12],"class_list":["post-134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weltanschauliches","tag-dresden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=134"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions\/135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}