{"id":130,"date":"2013-03-15T15:34:03","date_gmt":"2013-03-15T14:34:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/?p=130"},"modified":"2023-02-23T21:06:54","modified_gmt":"2023-02-23T20:06:54","slug":"le-siecle-des-lumieres-das-zeitalter-der-lichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen.freidenker.org\/cms\/index.php\/2013\/03\/15\/le-siecle-des-lumieres-das-zeitalter-der-lichter\/","title":{"rendered":"\u00abLe si\u00e8cle des lumi\u00e8res \u2013 das Zeitalter der Lichter\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Autor:<strong> Dr. Horst Schild<\/strong><\/p>\n<h2 align=\"center\">Ein kurzer \u00dcberblick zur Epoche der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung<sup><a href=\"#_ftn1\"><b>[1]<\/b><\/a><\/sup><\/h2>\n<p>Mit \u201eAufkl\u00e4rung\u201c wird gemeinhin jene geistige Bewegung des 18. Jahrhunderts beschrieben, die ihre Impulse aus den \u00f6konomischen, sozialen und politischen Bestrebungen des dritten Standes in der Periode der Emanzipation des B\u00fcrgertums von den Fesseln der feudalabsolutistischen Ordnung empfing. In der politischen H\u00fclle des Feudalabsolutismus reifte unaufhaltsam die neue b\u00fcrgerliche Gesellschaft heran und entwickelte sich. Aufkl\u00e4ren hie\u00df im Selbstverst\u00e4ndnis, ein Licht in die \u00fcberkommene Dunkelheit der Unwissenheit, der Vorurteile und des Aberglaubens zu bringen. <i>Immanuel Kant<\/i> bestimmte die Aufkl\u00e4rung als den \u201eAusgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u201c.<!--more--><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Mit Vernunft gegen feudale Ideologie und religi\u00f6se Vorurteile<\/h2>\n<p>Die \u00fcbergreifenden Ziele der Aufkl\u00e4rung bestanden in der Kritik der feudalen Ideologie, des religi\u00f6sen Denkens und der religi\u00f6sen Vorurteile, im Kampf f\u00fcr Glaubensfreiheit, f\u00fcr Freiheit des wissenschaftlichen und weltanschaulichen Denkens, im Kampf f\u00fcr Vernunft und gegen den Offenbarungsglauben, f\u00fcr die Wissenschaft und gegen die Mystik, im Kampf f\u00fcr die Forschung gegen jede Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit, im Kampf f\u00fcr Kritik gegen Apologetik. \u201eReligion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung, alles wurde der schonungslosesten Kritik unterworfen, alles sollte seine Existenz vor dem Richterstuhl der Vernunft rechtfertigen oder auf die Existenz verzichten.\u201c<sup><a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/sup> Die Aufkl\u00e4rung verhalf in allen Wissensbereichen grundlegenden und richtungsweisenden neuen Erkenntnissen zum Durchbruch, sie stimulierte die Forschung in der Mathematik, den Naturwissenschaften und auf technischem Gebiet.<\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Aufkl\u00e4rung war nicht voraussetzungslos. Sie kn\u00fcpfte an die progressiven Erkenntnisse ihrer Vorg\u00e4nger an, entwickelte sie weiter und bek\u00e4mpfte zugleich die ihnen eigenen konservativen Auffassungen, die sich als St\u00fctze der (katholischen) Religion und anderer Apologien der bestehenden Gesellschafts- und Staatsordnung erwiesen hatten. Einen offenen Kampf f\u00fchrte sie gegen die Philosophie des 17. Jahrhunderts, vor allem die metaphysischen rationalistischen Systeme von <i>Descartes<\/i>, <i>Spinoza<\/i> und <i>Leibniz<\/i>.<sup><a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/sup> Hauptquelle der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung, Vorbild und Anregung zugleich, waren indes nicht zuf\u00e4llig die Erkenntnisse der englischen Aufkl\u00e4rer des 17. und 18. Jahrhunderts. Schlie\u00dflich hatten die Engl\u00e4nder \u201eihre\u201c b\u00fcrgerliche Revolution schon hinter sich gebracht. Zu nennen sind hier vor allem die empiristische Erkenntnistheorie <i>John Lockes<\/i>, der Skeptizismus, aber auch konsequente Atheismus von <i>David Hume<\/i>, die gegen die Moral der Offenbarungsreligion gerichtete englische Moralphilosophie (namentlich <i>Shaftesbury<\/i>), die naturwissenschaftlichen Arbeiten von <i>Isaac Newton<\/i>, mit denen eine Grundlegung der Aufkl\u00e4rungsphilosophie und methodische Basis des mechanischen Materialismus und des Deismus<sup><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/sup> gegeben waren, und schlie\u00dflich <i>Adam Smiths<\/i> fundamentaler Beitrag zur Darstellung einer National\u00f6konomie. Auch das in England beginnende Freidenkertum (\u201eFreethinker\u201c) blieb nicht ohne Einfluss auf Frankreich.<\/p>\n<p>Schlechthin gilt Frankreich als das \u201eklassische\u201c Land der Aufkl\u00e4rung. Dort war die Kirche als sichtbarer Repr\u00e4sentant der Religion mit den alten gesellschaftlichen M\u00e4chten, die sich selbst als \u201evon Gottes Gnaden\u201c bezeichneten, besonders eng liiert. Schamlos, bis an die Grenzen des Ertr\u00e4glichen, wurden die unteren Schichten des Volkes von Adel und Geistlichkeit ausgepresst.<\/p>\n<p>Vorboten der Aufkl\u00e4rung waren u. a. <i>Jean Meslier<\/i> und <i>Pierre Bayle<\/i>. <i>Bayle<\/i> vertrat die Meinung, dass ein Atheist ein ehrbarer Mensch sein kann, denn Menschen werden nicht durch den Atheismus, vielmehr durch den Aberglauben und den G\u00f6tzendienst entw\u00fcrdigt. Er stellte das Verh\u00e4ltnis von Glauben und Wissen zur Diskussion und konstatierte einen unvers\u00f6hnlichen Gegensatz von Wissenschaft und Religion.<\/p>\n<p>1721 erschienen die \u201ePersische Briefe\u201c von <i>Charles de S\u00e9condat Montesquieu<\/i>. Sie waren eine gl\u00e4nzende und vernichtende Satire auf den Absolutismus und auf die kirchliche Intoleranz, hinter der sich ein ernster und radikaler Angriff auf die Grundlagen der sp\u00e4tfeudalen Gesellschaft verbarg.<\/p>\n<p>Die Exponenten der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung waren in ihrer weltanschaulichen und religi\u00f6sen Ausrichtung keineswegs homogen \u2013 es gab philosophische Idealisten und Materialisten, wir finden Atheismus genauso wie Deismus. Doch wegen ihrer Auffassungen wurden sie h\u00e4ufig gema\u00dfregelt, in der Bastille eingekerkert oder ins Exil getrieben, nicht selten wurden ihre Publikationen \u00f6ffentlich verbrannt.<\/p>\n<p>Von gewaltigem Einfluss in der ersten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts waren die Schriften von <i>Francois-Marie Voltaire<\/i>. Er f\u00fchrte eine hochkar\u00e4tige, sich \u00fcber ganz Europa erstreckende Korrespondenz. 1738 ver\u00f6ffentlichte er die \u201eElemente der Philosophie Newtons\u201c. Damit propagierte er nicht nur das neue System der mechanischen Naturauffassung, sondern auch den erkenntnistheoretischen Empirismus. <i>Voltaire<\/i> setzte sich mit geschliffener Feder, nicht ohne bei\u00dfenden Spott und Hohn f\u00fcr seine Gegner, leidenschaftlich f\u00fcr den Fortschritt der Vernunft und die theoretische Rechtfertigung einer den Bestrebungen der Bourgeoisie gerecht werdenden Gesellschafts- und Staatsordnung ein. Die den \u201enat\u00fcrlichen Eigenschaften\u201c des Menschen (d. h. des B\u00fcrgertums) entsprechende Ordnung werde sich aber erst im Verlauf der historischen Entwicklung, mit dem Sieg der Vernunft \u00fcber die Unwissenheit und den Aberglauben durchsetzen. In religi\u00f6sen Fragen war <i>Voltaire<\/i> Deist und Gegner des Atheismus. Aber ebenso entschieden wandte er sich gegen Kirche und Klerikalismus, gegen religi\u00f6se Intoleranz. \u201eEcrasez l\u2019Inf\u00e2me!\u201c, \u201eZerschlagt die Infame!\u201c \u2013 so sein Wahlspruch.<\/p>\n<p>Eine Sonderstellung innerhalb der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung nimmt <i>Jean-Jacques Rousseau<\/i> ein (Hauptwerke: \u201eEmil oder \u00fcber die Erziehung\u201c, \u201eVom Gesellschaftsvertrag\u201c, beide 1762). F\u00fcr <i>Rousseau<\/i> zeigt die Entwicklung der Menschheit vom Naturzustand bis zum gegebenen Gesellschaftszustand, dass nur eine Gesellschaft, in der es weder Arme noch Reiche, weder Beherrschte noch Herrschende gebe und in der der Allgemeinwille die Grundlage der politischen Macht sei und allen Menschen Gl\u00fcck und Wohlstand garantiere. \u201eDer erste, dem es in den Sinn kam, ein Grundst\u00fcck einzuhegen und zu behaupten: das geh\u00f6rt mir, und den Menschen fand, einf\u00e4ltig genug, ihm zu glauben, war der eigentliche Gr\u00fcnder der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Wie viel Verbrechen, Kriege, Mordtaten, Scheu\u00dflichkeiten h\u00e4tte der Mann dem Menschengeschlecht erspart, der die Pf\u00e4hle herausgerissen, den Graben eingeebnet und seinen Menschen zugerufen h\u00e4tte: \u201aH\u00fctet euch, diesem Betr\u00fcger zu glauben. Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Fr\u00fcchte allen geh\u00f6ren und die Erde niemanden.\u2019\u201c<sup><a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/sup> <i>Rousseau<\/i> stand den Fortschrittsideen der aufstrebenden Bourgeoisie skeptisch gegen\u00fcber und sympathisierte eher mit dem Kleinb\u00fcrgertum. Auch hatte er wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen seiner Zeit. Typisch sein \u201eZur\u00fcck zur Natur!\u201c Sch\u00e4rfer als andere indes sah er die k\u00fcnftige Spaltung des dritten Standes aufgrund innerer Widerspr\u00fcche voraus.<\/p>\n<h2>Materialismus und Atheismus<\/h2>\n<p>Den Durchbruch zum philosophischen Materialismus erreichte die Philosophie der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts. Damit wurde zugleich eine neue historische Stufe der Entwicklung des Materialismus erreicht, der freilich noch mechanisch und vorwiegend nicht-dialektisch blieb, in der Auffassung von der Gesellschaft idealistisch war, allerdings auch streng antitheologisch.1747 ver\u00f6ffentlichte <i>Julien Offray de La Mettrie<\/i> \u201eDer Mensch als Maschine\u201c. <i>Claude Adrien Helv\u00e9tius<\/i> fasste die Ethik in seinem Werk \u201eVom Geist\u201c (1758) als Bestimmung der Bedingungen auf, unter denen das pers\u00f6nliche Interesse als notwendige Grundlage der menschlichen Existenz mit dem allgemeinen Wohl verbunden werden kann. Jede Philosophie, die neben oder hinter der Materie noch ein selbstst\u00e4ndiges geistiges Prinzip sucht, brandmarkte er als T\u00e4uschung, Irrtum und Hirngespinst. Ebenso ist jede Art von Religion T\u00e4uschung, und zwar bewusste, absichtliche T\u00e4uschung, Priestererfindung, Priesterbetrug.<\/p>\n<p>1770 erschien das \u201eSystem der Natur\u201c von <i>Paul Henri d\u2019Holbach<\/i>, die \u201eBibel\u201c des franz\u00f6sischen Materialismus. Vertreten wird dort die R\u00fcckf\u00fchrbarkeit aller Naturerscheinungen auf verschiedene Bewegungsformen und eine ewige, unerschaffbare Natur. Bewegung ist der Materie immanent und ihr untrennbar verbunden, materielle Prozesse sind streng determiniert. Der Gedanke der Notwendigkeit bei Leugnung des Zufalls wird universell erfasst und auch auf den Menschen und die Entstehung seiner Empfindungen und Vorstellungen ausgedehnt, Bewegung und Ver\u00e4nderung der Dinge sind ewigen und unver\u00e4nderlichen Gesetzen unterworfen. Die materialistische Naturauffassung ist mit der Annahme \u00fcbernat\u00fcrlicher Ursachen unvereinbar \u2013 es kann in der Natur nur nat\u00fcrliche Ursachen und Wirkungen geben.<\/p>\n<p>Zum f\u00fchrenden Kopf der materialistischen Denker und auf derem linken Fl\u00fcgel avancierte <i>Denis Diderot<\/i>. Er f\u00fchrte die Auffassungen <i>Holbachs<\/i> weiter und bereicherte sie durch einige dialektische Elemente, etwa durch die Anerkennung der Universalit\u00e4t der Entwicklung. \u00dcber seine schriftstellerischen Arbeiten hinaus wurde <i>Diderot<\/i> besonders ber\u00fchmt als Initiator und Herausgeber der \u201eEncyclop\u00e9die\u201c. Hierzu gewann er als Mitarbeiter zuerst seinen Freund <i>Jean Baptiste le Rond d&#8217;Alembert<\/i>, einen <a title=\"Mathematiker\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mathematiker\">Mathematiker<\/a> und Naturwissenschaftler, sowie nach und nach andere Autoren (die teils weniger bekannte Spezialisten, teils aber auch hochgesch\u00e4tzte Leute waren, z. B.<i> <\/i><a title=\"Charles de Secondat, Baron de Montesquieu\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charles_de_Secondat,_Baron_de_Montesquieu\"><i>Montesquieu<\/i><\/a> und <a title=\"Voltaire\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Voltaire\"><i>Voltaire<\/i><\/a>). Trotz erheblicher offizi\u00f6ser Widerst\u00e4nde, Verbote, zeitlicher Unterbrechungen und des Ausscheidens von Mitarbeitern erschienen im Zeitraum von 1751-1780 insgesamt 28 B\u00e4nde.\u00a0 Die \u201eEncyclop\u00e9die\u201c beginnt mit den Worten: \u201eDas Zeitalter der Religion und der Philosophie ist dem Jahrhundert der Wissenschaft gewichen.\u201c Nicht blo\u00df Spiegel und Nachschlagwerk analog eines heutigen Konversationslexikons sollte sie sein, sondern Nachweis des inneren Zusammenhangs und der Einheit des gesamten Wissens und K\u00f6nnens der damaligen Zeit und Waffe gegen alles, was nach Ansicht der Enzyklop\u00e4disten als das Alte und \u00dcberholte galt. In den Artikeln spiegelte sich die cartesianische Physik genauso wider wie die naturwissenschaftlichen Werke <i>Newtons<\/i> und der materialistische Sensualismus<sup><a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/sup> <i>Lockes<\/i>. Als Methode und F\u00fchrer in der Erkenntnisgewinnung werden Experiment und Beobachtung favorisiert. Die Erfahrung, nicht zuallererst das abstrakte Denken, bilden den Ausgangspunkt der Erkenntnis. Die Geschichte wird, allerdings nahezu losgel\u00f6st von der \u00f6konomischen Basis, als geistiger Prozess, als Fortschritt der Aufkl\u00e4rung und Erziehung der Menschen aufgefasst. Der Wert der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit besteht in ihrer F\u00e4higkeit, die Welt zu erkennen und ihren Bed\u00fcrfnissen gem\u00e4\u00df zu gestalten. Der selbstst\u00e4ndig denkende Mensch bedarf, um sittlich richtig zu handeln, keinerlei besonderer religi\u00f6ser Motive.<\/p>\n<p>Die \u201eEncyclop\u00e9die\u201c darf \u2013 neben den Werken <i>Voltaires<\/i> und <i>Rousseaus<\/i> \u2013 als das wichtigste theoretische Werkzeug zur Vorbereitung der Franz\u00f6sischen Revolution gelten.<\/p>\n<p>Die Auffassungen der Aufkl\u00e4rer wurden nicht nur in Form von theoretischen philosophischen Abhandlungen und Artikeln dargelegt, sondern vielfach als polemische Schriften, Flugbl\u00e4tter, Pamphlete \u2013 in lebendiger scharfer Form, mit der Kraft der \u00dcberzeugung und spitzer publizistischer Feder. Auch in Romanform \u2013 etwa <i>Voltaires<\/i> \u201eCandide\u201c oder <i>Diderots<\/i> \u201eRameaus Neffe\u201c und \u201eJacques der Fatalist und sein Herr\u201c \u2013 bzw. als Streitgedicht wurden die Ansichten unter das Publikum gebracht: \u201eSchlagfertige, lebendige, talentvolle, geistreich und offen die herrschende Pfafferei attackierende Publizistik, \u2026 (die) auch in der Gegenwart der atheistischen Propaganda dienen kann\u201c, wie <i>Lenin<\/i> anmerkte.<sup><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Die Aufkl\u00e4rung war \u201eder vorletzte Schritt zur Selbsterkenntnis und Selbstbefreiung der Menschheit, der aber als der vorletzte darum auch noch einseitig im Widerspruch steckenblieb.\u201c<sup><a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/sup> Denn das Reich der Vernunft erwies sich nach dem Sieg der kapitalistischen Produktionsweise sehr schnell als das idealisierte Reich der Bourgeoisie. Die ewige Gerechtigkeit fand in der b\u00fcrgerlichen Justiz ihren Niederschlag, lediglich als b\u00fcrgerliche Gleichheit vor dem Gesetz. Der Vernunftstaat konnte nur als b\u00fcrgerlich-demokratische Republik ins Leben treten. Bald auch gingen die Ideologen der Bourgeoisie daran, sich von den Ideen der Aufkl\u00e4rung zu distanzieren, sie in ihr Gegenteil zu verkehren, gar hinter sie zur\u00fcck zu fallen. Ein Prozess, der auch gegenw\u00e4rtig sichtbar anh\u00e4lt, dessen Zeitzeugen wir sind, aber als dessen Antipoden wir Freidenker uns auch begreifen.<\/p>\n<p>Ideengeschichtlich hat die Aufkl\u00e4rung bis heute nicht an Bedeutung verloren.<\/p>\n<p>Das Verst\u00e4ndnis der Aufkl\u00e4rung tr\u00e4gt vielmehr dazu bei, eine entscheidende Etappe der geistigen und sozial\u00f6konomischen Entwicklung der Menschheit zu verstehen, aber auch dazu, die Abkehr der postrevolution\u00e4ren Apologeten und Propagandisten der Bourgeoisie und die Ursachen f\u00fcr diesen Bruch zu erkennen.<\/p>\n<p>In: Freidenker. Nr. 2-09<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<div>[1] <a name=\"#_ftn1\"><\/a> F\u00fcr die deutsche Aufkl\u00e4rung ist der Rahmen dieses Beitrags zu eng. Auf sie kann in einem sp\u00e4teren Artikel eingegangen werden.<\/div>\n<div>[2] <a name=\"#_ftn2\"><\/a> Friedrich Engels: Herrn Eugen D\u00fchring\u2019s Umw\u00e4lzung der Wissenschaft (\u201eAnti-D\u00fchring\u201c). In: Marx-Engels-Werke (MEW). Bd. 20. Berlin 1962, S. 16<\/div>\n<div>[3] <a name=\"#_ftn3\"><\/a> Vgl. Friedrich Engels\/Karl Marx: Die heilige Familie: In: MEW. Bd. 2. Berlin 1959, S. 132<\/div>\n<div>[4] <a name=\"#_ftn4\"><\/a> Mit dieser Auffassung wird zwar Gott als Urgrund der Welt angenommen, aber die M\u00f6glichkeit eines g\u00f6ttlichen Eingreifens in den Lauf der einmal bestehenden Welt verworfen. Wunder und auch Offenbarung werden abgelehnt. Die Vernunft wird als die eigentliche Quelle religi\u00f6ser Wahrheit angesehen.<\/div>\n<div>[5] <a name=\"#_ftn5\"><\/a> J.-J. Rousseau: Discours \u00fcber die Ungleichheit. In: Paul Sakmann: Die Krisis der Kultur. Auswahl aus Rousseaus Werken. Leipzig 1931, S. 88. Engels sieht in dieser Arbeit dialektische Ans\u00e4tze bei Rousseau (vgl. Friedrich Engels: Herrn Eugen D\u00fchring\u2019s Umw\u00e4lzung der Wissenschaft (\u201eAnti-D\u00fchring\u201c) a. a. O., S. 19<\/div>\n<div>[6] <a name=\"#_ftn6\"><\/a> Erkenntnistheoretische Position, nach der die Sinneswahrnehmung oder \u2013empfindung die alleinige Quelle der Erkenntnis ist. J. Locke: \u201eEs ist nichts im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war.\u201c Also Abh\u00e4ngigkeit aller Wissensformen von der Erfahrung, von den Empfindungen, die auf h\u00f6herer Stufe in Denkformen gewandelt werden<\/div>\n<div>[7] <a name=\"#_ftn7\"><\/a> W. I. Lenin: \u00dcber die Bedeutung des streitbaren Materialismus. In: Werke. Bd. 33. Berlin 1972, S. 216<\/div>\n<div>[8] <a name=\"#_ftn8\"><\/a> Friedrich Engels: Die Lage Englands: In: MEW. Bd. 1. Berlin 1958, S. 550<\/div>\n<\/div>\n<p>Dr. Horst Schild, Dresden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Dr. Horst Schild Ein kurzer \u00dcberblick zur Epoche der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung[1] Mit \u201eAufkl\u00e4rung\u201c wird gemeinhin jene geistige Bewegung des 18. Jahrhunderts beschrieben, die ihre Impulse aus den \u00f6konomischen, sozialen und politischen Bestrebungen des dritten Standes in der Periode der Emanzipation des B\u00fcrgertums von den Fesseln der feudalabsolutistischen Ordnung empfing. In der politischen H\u00fclle des Feudalabsolutismus reifte unaufhaltsam die neue b\u00fcrgerliche Gesellschaft heran und entwickelte sich. 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